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Einleitung (Elektrizität)

Historischer Einblick

Lange Zeit war Elektrizität für die Menschen nicht fassbar. Sie hatte für sie weder Form noch Farbe, kein Volumen und kein Gewicht und breitete sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aus. Nie konnte man sie selbst, nur ihre verschiedenen Auswirkungen beobachten, die miteinander in Verbindung zu bringen man auch nicht in der Lage war. Unerklärliche Phänomene wie Blitze, das Nordlicht, die Anziehungskraft von Bernstein auf Staub oder auch die Schläge, die Aale jemandem versetzen können, wurden mit göttlichen Kräften und Launen erklärt.

Die Griechen waren ca. sieben Jahrhunderte vor Christus die ersten, die versuchten, eine mehr oder weniger wissenschaftliche Erklärung für Elektrizität zu finden. Sie bezeichneten sie als eine Eigenschaft einer Substanz, wie es beispielsweise auch die Farbe ist. Thales von Milet versuchte 600 v. C. die Anziehungskraft von Bernstein (griech.: elektron) zu erklären, indem er annahm, der Stein habe eine Seele, die wie durch Einatmen die Gegenstände anziehe.

Dann folgte eine fast 2000jährige wissenschaftliche Flaute in Europa. Elektrische Phänomene wurden allenfalls als göttliche Zeichen interpretiert.

Um 1260 machte der Mönch Roger Bacon erste Beobachtungen und verfasste erste Beschreibungen.

In der Renaissance fand die Elektrizität Eingang in die Salons der vornehmen Gesellschaft und auf Jahrmärkten. Mit elektrisierten Damen, Funken und anderen Experimenten wurde das Volk unterhalten.

1600 fand William Gilbert, der Hofarzt von Elizabeth I., andere Stoffe, die sich bei Reibung wie Bernstein verhalten, und nannte sie "Electrics" und die Kraft "vis electricus". Er suchte eine Erklärung, indem er andere bekannte Erscheinungen als Vergleich heranzog, und schloss auf ein Fluidum, das den Bernstein durch Reiben verlässt und ihn dann umgibt. Auf diese Weise sollen die Gegenstände angezogen werden.

1660 entwickelte Otto von Guericke in Magdeburg die erste Elektrisiermaschine. Außerdem versuchte er, die Erdanziehung durch die elektrische Anziehung zu erklären. Er lagerte eine Schwefelkugel (= Erde) auf einem Gestell und rieb sie mit der trockenen Hand. Sie zog leicht Papierschnipsel (= Menschen) an.

1729 entdeckte Stephen Gray den elektrischen Strom. Er lud eine Flasche auf, verschloss sie mit einem Korken und beobachtete, dass auch der Korken anziehend wirkt. Das elektrische Fluidum ist demnach von der Flasche auf den Korken geflossen. Er machte noch mehrere andere Experimente.

1733 schlossen die Franzosen de Cisternay Dufay und Abbé Nollet aufgrund der beobachteten Abstoßung und Anziehung auf zwei verschiedene Arten von Elektrizität, die sie mit "electricitas vitra" (Glaselektrizität) und "electricitas resnosa" (Bernsteinelektrizität) bezeichneten. Georg Christoph Lichtenberg nannte sie später Plus und Minus.

1745 entwickelte E. G. von Kleist die ersten Kondensatoren: die so genannten Kleist`schen oder Leidener Flaschen. Er lud eine mit Wasser gefüllte Flasche, die er in der Hand hielt, auf und ließ sie dann los, wobei er einen heftigen Schlag bekam.

1752 erfand Benjamin Franklin nach mehreren Versuchen mit Blitzen den ersten Blitzableiter. Ein Jahr darauf, nämlich 1753 war das wohl erste Todesopfer der allgemeinen "Elektrizitätsbegeisterung" zu beklagen: Georg Wilhem Richmann, der in Petersburg versuchte, Franklins Blitz-Experimente fortzuführen.

1785 bewies Charles A. de Coulomb das nach ihm benannte Coulomb`sche Gesetz.

1786 beobachtete der Anatom Luigi Aloisio Galvani durch Zufall das Zucken von Froschschenkeln bei Berührung zweier verschiedener, aber miteinander verbundener Metalle. Er folgerte fälschlicherweise eine "tierische Elektrizität".

1796 fand Alessandro Volta die wahre Ursache der zuckenden Froschschenkel und entwickelte daraufhin die Volta`sche Säule, die erste Gleichstromquelle überhaupt.

1801 zerlegte der englische Chemiker Humphrey Davy durch Elektrolyse zum ersten Mal bestimmte Verbindungen und erhielt so bisher unbekannte Elemente, wie z.B. Natrium und Kalium.

1820 führte André Marie Ampère eine Terminologie der Elektrizität ein und veröffentlichte erste Studien über den Zusammenhang von Elektrizität und Magnetismus.

1821 entdeckte Michael Faraday, dass es innerhalb eines geschlossenen elektrischen Leiters kein elektrisches Feld gibt (Faraday`scher Käfig).

Literatur

Kuhn, W.: Ideengeschichte der Physik - Eine Analyse der Entwicklung der Physik im historischen Überblick. Vieweg-Verlag
Canby, E.: Geschichte der Elektrizität. Editions Rencontre and Erik Nitsche International
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