zum Directory-modus

Vom Monomer zum Werkstoff - Styrol, das Chamäleon unter den Monomeren

Styrol - zur Geschichte

Die Bezeichnung Styrol geht auf den Berliner Apotheker Eduard Simon zurück. Er hatte um 1835 Storax (auch Styrax genannt), ein aus dem in Vorderasien wachsenden Baum Liquamber orientalis gewonnenes Harz, erworben. Diese wohlriechende Substanz wurde als Heilmittel und Beimengung zu Parfüms und - wie Archäologen entdeckten - von den Ägyptern vor etwa 3000 Jahren auch beim Einbalsamieren von Mumien genutzt.

Simon beschreibt in Justus Liebigs Annalen der Chemie, Bd. 31 (1839) S. 265, seine Versuche mit diesem Harz. Bei der Destillation mit Wasserdampf fand er eine klare Flüssigkeit, die er Styrol benannte. Diese verdampfte beim Erhitzen nicht wie erwartet, sondern nahm eine gelatinöse Konsistenz an. Da aus Sicht von Simon nur Sauerstoff als möglicher Reaktionspartner in Frage kam, ging er von einem Oxidationsprozess aus und bezeichnete das heute als Polystyrol bekannte Produkt mit "Styroloxid". 1845 stellten John Blyth und August Wilhelm von Hofmann in England richtig, dass keine Oxidation vorlag, und benannten das "Styroloxid" in "Metastyrol" um (griechisch: meta = über, zwischen, nach, ...). Sie hatten herausgefunden, dass sich die Elementaranalysen von Styrol und Metastyrol nicht unterscheiden.

Marcelin Berthelot bezeichnete 1866 die Bildung von Metastyrol aus Styrol als Polymerisation. Etwa weitere 80 Jahre später setzt sich entsprechend den Thesen von Hermann Staudinger die Sicht durch, dass die Erwärmung des Styrols eine Kettenreaktion auslöst und sich Makromoleküle bilden. Das Produkt wurde nun als "Polystyrol" bezeichnet.

Seite 2 von 4