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Verdickungsmittel

Beispiel: Polyvinylpyrrolidon

Poly(1-vinyl-2-pyrrolidinon) (PVP) oder Poly[1-(2-oxopyrrolidin-1-yl)-ethylen] wird durch radikalische Polymerisation von 1-Vinyl-2-pyrrolid(in)on hergestellt. Dabei kommen die Verfahren der Substanz-, Lösungs- und Suspensionspolymerisation zum Einsatz.

Abb.1
Polyvinylpyrrolidon

Vinylpyrrolidon-Polymerisate haben üblicherweise Molmassen im Bereich von ca. 2500 bis 750 000 g/mol. Sie kommen als weiße, hygroskopische Pulver oder als wässrige Lösung in den Handel. PVP löst sich in Wasser, Alkoholen und Dichlormethan, nicht jedoch in aromatischen und aliphatischen Kohlenwasserstoffen. Bei Einwirkung starker Säuren hydrolysiert der Pyrrolidon-Lactam-Ring zu γ-Aminobuttersäure-Einheiten.

In Gegenwart von Alkalien kommt es bei höherer Temperatur zu Vernetzungsreaktionen. Die dabei erhaltenen unlöslichen Polyvinylpolypyrrolidone (PVPP) werden z.B. zur Klärung von Bier, Wein und Fruchtsäften verwendet. Sie bilden mit Polyphenolen unlösliche Komplexe. PVPP wirkt auch als Tablettensprengmittel: Kommt die Tablette nach dem Schlucken mit Feuchtigkeit in Berührung, beginnt das PVPP-Netzwerk zu quellen und die Tablette zerfällt.

Niedermolekulare, monomerfreie Polymerisate (bis 25 000 g/mol) werden als Blutplasma-Ersatzmittel (Plasmaexpander) eingesetzt. Höhermolekulare Fraktionen sind nicht geeignet, da sie nicht ausgeschieden werden können.

In der Kosmetik wird PVP als Tablettier- und Dragier-Hilfsstoff, Gel- und Filmbildner (z.B. für Augentropfen und Haarsprays) verwendet.

In Colorwaschmitteln wirkt es als Farbübertragungsinhibitor: PVP bildet Komplexe mit anionischen Azofarbstoff-Molekülen, die sich von farbigen Stoffen abgelöst haben. Es hält sie dadurch in Lösung und verhindert so, dass sie sich auf hellerem Gewebe wieder ablagern und diese verfärben. Moderne Waschmittel enthalten ca. 1.5 % Farbübertragungsinhibitoren.

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