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Rezeptorassoziierte Krankheiten

Fehlender oder defekter Ionenkanal : Mukoviszidose (cystische Fibrose, CF)

Die Mukoviszidose ist mit einer Inzidenz von 1:2.500 eine der häufigsten autosomal rezessiv vererbten Stoffwechselerkrankungen der weißen Bevölkerung. Immerhin jeder Fünfundzwanzigste ist heterozygoter Träger dieser Erkrankung, die vor allem durch eine allgemeine Fehlfunktion exokriner Drüsen (Bauchspeicheldrüse, Dünndarm, Bronchialsystem, Gallenwege, Keim- und Schweißdrüsen) gekennzeichnet ist.

Typische Symptome

Darm:

Bei der Geburt kommt es in 10 % der Fälle zu einer Störung der Darmpassage durch Verstopfung oder Darmverschluss beim ersten Stuhlgang (Mekoniumileus), bei älteren Kindern treten in 20 % der Fälle Verstopfungen oder ein Darmverschluss auf.

Atemwege:

Die Kranken leiden unter chronischem Husten. Es kommt zu langwierigen, immer wiederkehrenden Infekten mit Gram-negativen Problemkeimen wie beispielsweise Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa u.a. Diese Infekte führen längerfristig zu einer Erweiterung der Bronchialäste und zu bakteriell bedingten Gasansammlungen in Bronchien und Lungen (Gasbrust). Im Endstadium ist die Atmung der Patienten massiv beeinträchtigt, so dass diese ohne Lungentransplantation oft nicht älter als 40 Jahre werden.

Bauchspeicheldrüse:

In der Regel ist die Bauchspeicheldrüse so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass erhebliche Verdauungsstörungen die Folge sind. In seltenen Fällen kann es zu einem Diabetes mellitus aufgrund fehlender Insulin-Sekretion kommen.

Leber und Gallenwege:

Erwachsene Patienten entwickeln in 10 % der Fälle eine Leberzirrhose. Betroffe Kinder wachsen nicht altersgemäß und nehmen nur wenig an Gewicht zu. Bei Frauen ist die Fertilität vermindert, Männer sind häufig nicht fertil. Typisch ist auch der salzige Geschmack der Haut.

Diagnostik

Pilokarpin-Iontophorese-Schweißtest: Bestimmung des Chlorid-Gehaltes im Schweiß (> 60 mmol/l, bei Neugeborenen > 90 mmol/l); genetischer Nachweis des CFTR-Gens (auch als Pränataldiagnostik).

Ursache der Erkrankung

Die Ursache der Mukoviszidose konnte in den letzten Jahren weitgehend aufgeklärt werden. In der Zellmembran der Körperzellen ist ein bestimmtes Protein, der CFTR (cystic fibrosis transmembrane conductance regulator), für die korrekte Bildung eines Ionenkanals zuständig. Durch diesen Ionenkanal wird der Ein- und Ausfluss von Chlorid-Ionen gewährleistet. Bei Menschen mit cystischer Fibrose ist das Gen, welches das Protein codiert, mutiert, so dass der Ionenkanal nicht oder nur fehlerhaft gebildet wird. Durch diesen Defekt ist der Austausch von Chlorid-Ionen massiv beeinträchtigt. Dies führt zu den typischen Symptomen der cystischen Fibrose: eine erhöhte Verdichtung verschiedener Sekrete von Bauchspeicheldrüse, Bronchien und Prostata.

1989 gelang es, das für CFTR codierende Gen zu isolieren und zu charakterisieren. Die Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt, heterozygote Träger sind gesund. Bestimmte Mutationen führen nur zu einem partiellen Funktionsverlust des CFTR-Proteins und damit zu einer milden Form der CF, während andere Mutationen einen Totalausfall des Genproduktes bewirken.

Behandeln lassen sich nach heutigem Stand der Medizin nur die Auswirkungen der Mukoviszidose. Die Förderung der bronchialen Reinigung der Lunge und die Aktivierung der β2-Rezeptoren durch Gabe von β2-Sympathomimetika führt zu einer Entlastung der Atmung und verbessert die Sauerstoff-Sättigung im arteriellen Blut infolge der besseren Durchlüftung der Lungen. Die Behandlung mit Bauchspeicheldrüsen-Enzymen dient als Ausgleich für die erniedrigte Sekretion. In fortgeschrittenen Stadien werden auch Lungen-Transplantationen durchgeführt.

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