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Rezeptorassoziierte Krankheiten

Das Lambert-Eaton-Syndrom: Antikörper gegen Proteine der Calcium-Kanäle

Das Lambert-Eaton-Syndrom (Lambert-Eaton Myasthenic Syndrom, abgekürzt LEMS) gehört zu den paraneoplastischen Syndromen und ist durch eine verminderte Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin aus den Nervenendigungen in den synaptischen Spalt gekennzeichnet. Ursache für diesen präsynaptischen Defekt sind Antikörper gegen ein Membranprotein der Nervenzelle, den spannungsabhängigen P/Q-Calcium-Kanal (VGCC = voltage gated calcium channel). Diese Kanäle werden als aktive Zone der präsynaptischen Membran bezeichnet.

Klinische Symptome

Das LEMS kommt mit einer Inzidenz von 1:100.000 sehr viel seltener vor als die Myasthenia gravis. Zu den charakteristischen Symptomen zählen vor allem eine Muskelschwäche im Oberschenkel und Beckenbereich, nur schwach auslösbare Muskeleigenreflexe und Sehstörung, Mundtrockenheit, eine verminderte Schweiß- und Tränensekretion, Verstopfung und Impotenz bei Männern.

In ca. 60 % der Fälle kommt das LEMS mit einem kleinzelligen Bronchial-Carcinom assoziiert als paraneoplastisches Syndrom vor, in den übrigen Fällen tritt kein Carcinom auf. Meistens wird LEMS lange vor dem Auftreten des Tumors diagnostiziert, daher kann der spezifische Nachweis der Calcium-Kanal-Autoantikörper schon sehr früh einen entscheidenden Hinweis auf diese bösartige Erkrankung geben.

Das Lambert-Eaton-Syndrom tritt gewöhnlich nach dem 30. Lebensjahr auf, wird aber gelegentlich auch bei Kindern und Heranwachsenden beobachtet. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die typischen Symptome ähneln sehr stark denen der Myasthenia gravis, so dass häufig das LEMS zunächst als Myasthenia gravis fehldiagnostiziert wird. Seltener kommt das LEMS bei Autoimmunerkrankungen von z.B. Schilddrüse (Autoimmunthyreoditis) oder Gelenken (rheumatoide Arthritis) vor.

Die wichtigsten Merkmale der Erkrankung zeigt die folgende Tabelle:

Tab.1
Lambert-Eaton Syndrom
ParameterWirkung
Muskelkraftmaximale Kraftentwicklung verzögert
Lähmung der Augenmuskelnselten
vegetatives Nervensystemanticholinerges Syndrom
Muskeleigenreflexeabgeschwächt
Nervenstimulation mit Einzelreizenerniedrigte Amplitude
Serienstimulationzusätzlich Inkrement bei 20 Hz
Antikörper gegen Acetylcholin-Rezeptorennegativ
Antikörper gegen Calcium-Kanälepositiv

Diagnostik

Zur Diagnose des Lambert-Eaton-Syndroms gehört neben der Prüfung der Muskeleigenreflexe und wiederholter Nervenstimulation auch die radioimmunologische Messung der Antikörper gegen die spannungsabhängigen Calcium-Kanäle vom P/Q-Subtyp. Wie bei der Myasthenia gravis scheint die absolute Konzentration der Antikörper beim LEMS nicht mit der Schwere der Krankheit zu korrelieren, die Zu- oder Abnahme der Antikörper-Konzentration eines Patienten gibt jedoch gute Hinweise auf den individuellen Verlauf der Krankheit.

Therapie

Wenn das LEMS mit einem kleinzelligen Bronchial-Carcinom assoziiert ist, steht die Therapie des Primärtumors im Vordergrund.

Derzeit wird das LEMS vor allem mit 3,4-Diaminopyridin (auch in Kombination mit Pyridostigmin) behandelt, das zu einer Steigerung der Acetylcholin-Ausschüttung aus den präsynaptischen Nervenendigungen führt. Bei Patienten ohne Carcinom oder bei nur geringem Therapieeffekt ist auch eine Immunsuppression mit Prednisolon und/oder Azathioprin sinnvoll. Die zirkulierenden Antikörper können durch 7s-Immunglobuline neutralisiert werden; diese Anti-Antikörper blockieren auch den Fc-Rezeptor der Makrophagen. In schweren Fällen wird auch eine Plasmaaustausch-Behandlung durchgeführt, die eine leichte, kurzzeitige Besserung bringt.

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