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Faltungsassoziierte Krankheiten

BSE: Epidemiologische Daten

Rinderwahnsinn oder BSE wurde 1986 erstmalig von den britischen Neurologen Gerald A.H. Wells und John W. Wilesmith als Krankheitsbild diagnostiziert und betraf Ende der Achtziger Jahre bereits mehr als die Hälfte aller britischen Rinderherden. Es dauerte lange, bevor die Ansteckungsquelle identifiziert war: Fleischabfälle und Knochenmehl Scrapie-infizierter Schafe, die als Rinderfutter verwendet wurden. Etwa ab 1981/82 wurden Kühe mehr und mehr mit von Wiederkäuern stammenden Proteinen gefüttert. Anfang der Achtziger Jahre wurde die Herstellung dieses Tiermehls verbilligt und, abweichend vom üblichen Sterilisationsverfahren (20 Minuten, 133°C, 3 bar), die Sterilisationstemperatur abgesenkt, so dass nun der BSE-Erreger überlebte.

Die Symptome

Alle Prioneninfektionen zeichnen sich durch lange Inkubationszeiten aus. Bis zum Auftauchen erster Symptome vergehen bei BSE 18 Monate bis mehrere Jahre. Zu den typischen Anfangssymptomen zählen Konditions- und Gewichtsverlust, verminderte Milchleistung, Verhaltens- und Bewegungsstörungen. Bislang unauffällige Tiere sondern sich auf der Weide von der Herde ab, werden ängstlich und zeigen Muskelzittern. Die ersten Bewegungsstörungen äußern sich oft in Form einer leichten Nachhand-Ataxie und Mühe beim Aufstehen. Innerhalb von 40 bis 60 Tagen verenden die Tiere dann oder müssen getötet werden.

Abb.1

1988 wurde die Verfütterung von Fleischabfällen verboten. 1989 verbot die britische Regierung auch den Verzehr von Rindfleisch, speziell von Lymphgewebe, Milz, Thymus und Eingeweiden. Befallene Rinder mußten getötet und ihre Körper verbrannt werden. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits das Fleisch von mindestens 600 infizierten Rindern in die Nahrungskette der Menschen geraten; zudem waren in vielen Fällen die Abfälle der Schlachtereien lediglich vergraben worden (der BSE-Erreger bleibt im Boden über Jahre infektiös!). Rinder konnten sich so auch auf der Weide mit BSE anstecken, oder der Erreger wurde von der Mutter auf das Kalb übertragen. In vielen Fällen waren Kälber und Rinder schon längst geschlachtet, bevor die ersten Symptome hätten auftreten können.

BSE-Fälle in Großbritannien

Die BSE-Epidemie erreichte 1992 in Großbritannien mit fast 36.700 Fällen ihr Maximum, während in Deutschland das Maximum 2001 mit 125 BSE-Fällen deutlich geringer ausfiel.

Erst 1996 wurde die Übertragbarkeit von BSE auf den Menschen erkannt, nachdem zehn junge Menschen an einer ungewöhnlichen Form von spongiformer Enzephalopathie (nvCJD für "neue Variante der CJD") gestorben waren. Weitere Untersuchungen zeigen, dass nvCJD auch über die Plazenta auf den Fetus übertragen werden kann.

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