Diagnostische Kriterien für eine Alzheimer-Erkrankung sind eine zunehmende Verschlechterung des Gedächtnisses im Alter zwischen 40 und 90 Jahren, zunehmender Verlust kognitiver Fähigkeiten (räumliche und zeitliche Orientierung, Sprache, Rechenfähigkeit, visuelle Wahrnehmung usw.) und psychische Störungen (Psychosen, Wahn, Angstzustände). Mit der Demenz gehen auffallende morphologische Veränderungen einher:
Neuronale Degeneration in verschiedenen Hirnarealen (besonders temporoparietaler Kortex und Hippocampus-Formation)
Amyloid-Ablagerungen innerhalb der Nervenzellen (das τ-Protein: Ablagerung als Alzheimer-Fibrillen oder neurofibrilläre tangles (NFT). τ-Ablagerungen in Neuriten werden auch als neutrophil threads (NT) bezeichnet.
Ablagerungen zwischen den Nervenzellen (die Aβ-Amyloidplaques, auch βA4-Amyloid oder senile Plaques genannt)
Amyloid-Ablagerungen in den Wänden zerebraler Blutgefäße (das vaskuläre Amyloid).
In den Nervenzellen vor allem der Großhirnrinde und ihren Fortsätzen finden sich fibrilläre Ablagerungen aus gepaarten helicalen Filamenten, die Alzheimer-Fibrillen oder neurofibrilläre tangles (NFT) genannt werden. Der Hauptbestandteil dieser Bündel ist das τ-Protein, welches zu den Mikrotubuli-assoziierten Proteinen gehört. Das τ-Protein kommt in sechs verschiedenen Isoformen und nur im Nervensystem vor und wird in vivo von Kinasen und Phosphatasen phosphoryliert bzw. dephosphoryliert. Bei Alzheimer-Kranken ist der Anteil einer phosphorylierte Variante des τ-Proteins im Liquor erhöht. Alzheimer ist nicht die einzige Demenz-Erkrankung, bei der bestimmte Isoformen von τ eine Rolle spielen. Bei Alzheimer-Kranken und der senilen Demenz mit neurofibrillären tangles sind alle sechs Isoformen des τ-Proteins im Liquor anomal phosphoryliert, bei anderen Tauropathien, wie Morbus Pick, nur einige. Ob die Hyperphosphorylierung von τ tatsächlich für die Bildung der helicalen Filamente verantwortlich ist, ist momentan noch umstritten.
Anders als es der Name Amyloid (stärkeartige Substanz) nahelegt, besteht Aβ-Amyloid nicht aus dem Polysaccharid Stärke, sondern aus aggregiertem Protein. Aβ (A von Alzheimer, β für die β-Faltblattstruktur der Fibrillen) ist ein 40 bis 42 Aminosäuren Fragment größerer (ca. 700 Aminosäuren langer) Membran-durchspannender Proteine, der Amyloid-Vorläuferproteine (AVP) oder APP (für engl. amyloid precursor protein). Die AVP werden insbesondere von Nervenzellen produziert und haben vermutlich die Aufgabe, die für das Gedächtnis wichtige Vernetzung der Nervenzellen untereinander zu gewährleisten.
Nach heutigen Theorien beginnt die Alzheimer-Krankheit damit, dass Gehirnzellen ihre Fähigkeit verlieren, das neurotoxische Aβ-Protein zu entsorgen. Mehr und mehr Aβ-Protein beginnt sich zwischen den Nervenzell-Kontaktstellen zunächst locker abzulagern, bevor es zu den typischen neuritischen Plaques kommt. Dies geschieht vor allem in den Bereichen des Gehirns, die für das Lernen, Erinnern und Erkennen zuständig sind.
Im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung geht mit den Aβ-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn der Patienten eine fortschreitende Demenz einher - aber nicht immer lassen sich auch die neuritischen Plaques oder die neurofibrilläre tangles nachweisen. Zudem korrelliert das Ausmaß der Plaquebildung nicht mit dem Grad der Demenz, andere Faktoren müssen also hier eine Rolle spielen. Der Zusammenhang zwischen der Plaque- und Fibrillenbildung ist zur Zeit noch ungeklärt, es scheint aber so zu sein, dass das Aβ-Protein mit Zelloberflächenproteinen interagieren und so Signalkaskaden an- bzw. abschalten kann. Auf diesem Weg scheint Aβ-Protein die Hyperphosphorylierung des τ-Proteins zu induzieren, die dann vermutlich die Fibrillenbildung von τ fördert.
Worin die Pathogenität der Aβ- Fibrillen begründet ist, weiß man noch nicht genau. Allem Anschein nach kann der Kontakt der Aβ-Fibrillen mit einer Zellmembran zur Nekrose oder Apoptose (programmiertem Zelltod) der betroffenen Zelle führen. Aβ erhöht u.a. Ionendurchlässigkeit und Fluidität der Zellmembran sowie die Produktion von Sauerstoff-Radikalen. Diese schädigen besonders GTPasen, die an Signaltransduktionsvorgängen an der Membran beteiligt sind.
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Aβ-Ablagerungen können noch auf eine andere Art und Weise zum Krankheitsgeschehen beitragen. Alzheimer und einige andere Erkrankungen des ZNS gehen mit einer Aktivierung von Mikrogliazellen im Gehirn einher. Mikrogliazellen sind immunkompetente Zellen des ZNS, die nach einer Aktivierung eine typische Entzündungsreaktion hervorrufen, indem sie Cytokine, Komplementfaktoren, Sauerstoff-Radikale (s. unter ROS) freisetzen und proteolytische Enzyme sezernieren. Aβ-Amyloid scheint Mikrogliazellen aktivieren zu können.