Molekulares Modelling beim Wirkstoffdesign

Das molekulare Modellieren (Molecular Modelling) umfasst verschiedene, meist computerbasierte Methoden und Techniken für die Herleitung, Darstellung und Manipulation dreidimensionaler chemischer Strukturen und daraus abgeleiteter physikochemischer Moleküleigenschaften sowie für die Modellbildung chemischer Reaktionen. Da die meisten Moleküle flexible Systeme sind, die verschiedene, energetisch gleichwertige Zustände einnehmen können, ist bereits das Modellieren einzelner Moleküle keineswegs trivial und verlangt eine erhebliche Rechenleistung. Noch komplexer ist die Modellbildung und Simulation von Bindungsprozessen, da hier sowohl die Besonderheiten des Targets als auch der untersuchten Liganden sowie des Mediums bzw. Lösungsmittels, in dem die Reaktion abläuft, berücksichtigt werden müssen. Aus diesem Grund stellen die berechneten Modelle einen Kompromiss zwischen möglichst realistischen Parametern und notwendigen Vereinfachungen bzw. Annäherungen an die realen Verhältnisse dar. So werden zur Simplifizierung von Energieberechnungen z.B. die Moleküle analog zu makroskopischen Körpern mit einer bestimmten Oberfläche und Volumen visualisiert und Reaktionen meist unter den so genannten "idealen Bedingungen" (z.B. im Vakuum) berechnet.

Methodisch kommen vor allem Grafik-Algorithmen (zur Visualisierung von Molekülen), geometrische Berechnungen (Moleküloberfläche), numerische Methoden (Energie-Minimierung), graphisch-theoretische Methoden (Bestimmung der Invarianten), Zufallsalgorithmen (Konformationsanalyse), Computervisualisierung (docking) sowie eine große Zahl spezieller Techniken wie z.B. genetische Algorithmen oder das simulated annealing (Generalisierung der Monte-Carlo-Methode) zum Einsatz.

interaktive ComputergrafikVisualisierung und Manipulation von 3D-Strukturen
Modellieren kleiner MoleküleStrukturerzeugung
 Molekülmechanik (MM) - Kraftfelder
 Moleküldynamik (MD)
 Quantenmechanik (QM)
 Konformationsanalyse
 Berechnung physikalisch-chemischer Eigenschaften
MolekülvergleichÄhnlichkeit: Überlagerung (Overlay) von Molekülen
 Volumenvergleich
 3D-QSAR (z.B. CoMFA)
ProteinmodellierungSequenzvergleich
 Homologiemodellierung
 Visualisierung und Manipulation von 3D-Strukturen
 Simulation der Faltung
Modellieren von Target-Ligand InteraktionenBerechnung der Bindungskonstanten
 docking von Liganden
Liganden-DesignRecherche in 3D-Datenbanken
 de novo-Design

Tabelle angelehnt an: Böhm et al., 2002.

Tab.1Gängige Methoden beim Molecular Modelling

Literatur

  • Wirkstoffdesign, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage, (H. J. Böhm, G. Klebe, H. Kubinyi), Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg, 2002.
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