zum Directory-modus

Hormone - eine Einleitung

Definition und Einteilung von Hormonen

Definition
Hormone sind chemische Botenstoffe, die das Zusammenspiel der verschiedenen Zellen in einem vielzelligen Organismus koordinieren.
Abb.1
Die Bauchspeicheldrüse

Der Ausdruck Hormon leitet sich vom griechischen Wort für "anregen" ab. Er wurde 1904 von William Bayiliss und Ernest Starling geprägt. Sie untersuchten die Wirkung des Secretins, das im Zwölffingerdarm ausgeschieden wird und die Sekretion der Bauchspeicheldrüse stimuliert. Das heutige Verständnis der Hormonwirkung über die Signaltransduktion geht allerdings auf die Arbeiten von Earl W. Sutherland zurück, der dafür 1971 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt. Aus diesen Arbeiten ergaben sich die drei grundlegenden Charakteristika von Hormonen:

  • Hormone sind chemische Botenstoffe, die in den spezialisierten Geweben der Hormondrüsen gebildet werden.
  • Hormone werden direkt ins Blut abgegeben, das sie an ihren Wirkungsort transportiert.
  • Hormone ändern ganz spezifisch die Aktivität ihrer Zielzellen.

Hormone können aufgrund ihres Bildungsortes unterschieden werden:

  1. Glanduläre Hormone (klassische Hormone) sind Hormone, die in endokrinen Drüsen wie beispielsweise der Schilddrüse oder der Bauchspeicheldrüse produziert werden und adenotrop (auf andere Drüsen) oder peripher (auf Organe) wirken können.
  2. Aglanduläre Hormone (Gewebehormone), die nicht in Drüsen, sondern in spezialisierten Einzelzellen gebildet werden, die über ein Gewebe verteilt sein können. Prostaglandine sind ein typisches Beispiel für diese Hormone.
  3. Neurosekretorische Hormone, die von Nervenzellen wie z.B. dem Hypothalamus gebildet werden.
  4. Mediatoren, also hormonähnliche Stoffe, die von vielen Zellen gebildet und abgegeben werden können, aber wegen ihrer schnellen Abbaubarkeit nur lokal wirken.

Anhand ihrer Bildungs- und Wirkorte unterteilt man die Hormonsekretion in drei Typen:

  • Endokrine Sekretion. Diese Hormone werden von Drüsenzellen in die Blutbahn abgegeben und ihre Wirkung tritt entfernt vom Wirkort auf. Ein Sonderfall der endokrinen Sekretion liegt vor, wenn die Abgabe der Neurohormone aus Nervenzellen direkt ins Blut stattfindet. Man spricht dann auch von neuroendokriner Sekretion.
  • Parakrine Sekretion. Beeinflussen Hormone, die von Zellen ausgeschüttet werden, benachbarte Zellen, so spricht man von parakriner Sekretion.
  • Autokrine Sekretion. Eine autokrine Wirkung liegt vor, wenn Zellen durch Abgabe eines Hormons auch sich selbst beeinflussen.

Im Einzelfall ist allerdings eine klare Einteilung der sekretorischen Funktion einer Zelle nach den oben beschriebenen Kriterien oft nicht möglich.

Die Wirkung eines Hormons wird oft durch ein entgegengerichtetes antagonistisches Signal, in vielen Fällen ein anderes Hormon, kontrolliert (Beispiel Insulin und Glucagon bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels). Mit dem hormonellen System steht dem menschlichen Organismus also neben dem vegetativen Nervensystem ein weiteres Mittel zur Verfügung, um sein inneres Milieu zu regulieren (Homöostase). Hormone sind für die langfristige und globale Steuerung der Zellfunktionen zuständig, während das vegetative Nervensystem eher zeitlich begrenzte Prozesse steuert.

<Seite 1 von 17