zum Directory-modus

Hormone des Menschen

Zirbeldrüse (Epiphyse; Corpus pineale)

Abb.1
Melatonin

Das Pinealorgan (Corpus pineale, Epiphysis cerebri, Zirbeldrüse) gehört zum Dienzephalon und befindet sich zwischen der Vierhügelplatte und dem Balken (Corpus callosum) am hinteren Ende des 3. Ventrikels. Umgeben wird das Pinealorgan von der weichen Hirnhaut (Pia mater), aus der Bindegewebszüge ins Innere ziehen und es in unregelmäßige Läppchen einteilen. In diesen Bindegewebszügen befinden sich Blutgefäße und marklose Nervenfasern. Die charakteristischen Zellen des Parenchyms sind strangförmig angeordnete Pinealocyten, die das Zirbeldrüsenhormon Melatonin sezernieren. Die leicht basophilen, fortsatzreichen Zellen zeichnen sich durch einen großen, gelappten oder oft bizarr geformten Zellkern mit gut sichtbarem Nucleolus aus. Sie besitzen viel glattes ER, kleine Vesikel, Fetttropfen, lipochrome Pigmente und so genannte synaptic ribbons, synapsenartige Strukturen zur interzellulären Kommunikation. Mit den langen Fortsätzen treten sie in Kontakt mit Blutgefäßen. Interstitielle Zellen sind gliaartige Zellen mit länglichen Fortsätzen zwischen den Pinealocyten und um Gefäße.

Im interstitiellen Raum befinden sich Mastzellen, die aus den Bindegewebszügen eingewandert sind, Gliazellen und astrocytenartige, interstitelle Zellen (mit länglichen Kernen). Marklose Nervenfasern enden mit Synapsen, die Noradrenalin enthalten, an den Pinealocyten. Die Fasern stellen postganglionäre, sympathische Fasern aus dem oberen Halsganglion dar. Ferner erkennt man, vor allem in Zirbeldrüsen älterer Menschen, häufig im Bindegewebe konzentrische Kalkkonkremente, die als Acervulus (Hirnsand) bezeichnet werden. Evolutionsgeschichtlich ist das Pinealorgan endokrine Drüse und Sinnesorgan. Bei Amphibien z.B. liegt das Pinealorgan unter der Schädeldecke und enthält Photorezeptoren zur Lichtwahrnehmung (Parietalauge). Dies erklärt auch die enge Verwandtschaft zwischen Pinealocyten und den Lichtsinneszellen der Retina.

Das Pinealorgan der Wirbeltiere übermittelt Informationen über die Photoperiode in Form neuronaler und endokriner Signale an den Organismus. Durch diese Signale, insbesondere die rhythmische Ausschüttung von Melatonin, werden viele physiologische Funktionen, wie z.B. Schlaf-Wachrhythmus, Fortpflanzungszyklus und Teilbereiche des Immunsystems, beeinflusst.

Zerstörung des Pinealorgans (z.B. durch Tumor) führt bei Kindern zu vorzeitiger Pubertät (Pubertas praecox) durch Wegfall der Gonadotropin-Hemmung.

Seite 8 von 37