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Tiergifte

Schlangengift

Abb.1
Westliche Klapperschlange (Crotalus viridis helleri)
Chris Brown, U.S. Geological Survey

Giftschlangen gehören entweder zur Familie der Elapiden oder der Viperiden. Eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der Giftschlangen ist die Anatomie der Fangzähne, weshalb drei Gruppen unterschieden werden: Opysthoglyphen, Proteroglyphen und Solenoglyphen.

Opysthoglyphen sind meist relativ harmlose und nur schwach giftige Schlangen. Ihre Fangzähne sind vergrößerte Zähne im hinteren Rachen, die mit einer Grube ausgestattet sind, über welche beim Verschlucken der Beute das Gift fließt. Ein Beispiel für Opysthoglyphen ist die Mangrovenschlange (D. dendrophila).

Proteroglyphen haben dagegen kleine, fixierte und unbewegliche Fangzähne im Vordermaul. Die Tiere beißen zu und halten die Beute mit diesen Fangzähnen fest, um das Gift in die Beute einzuleiten. In diese Gruppen gehören einige der giftigsten Schlangen der Erde, so z.B. Kobras (Naja), Mambas (Dendroaspis), Kraits (Bungarus), Taipans (Oxyuranus), Korallenschlangen (Micrurus) und Seeschlangen.

Solenoglyphen haben bewegliche Vorderfänge, die sich bei Nichtgebrauch im Maul zusammenfalten können. Sie können ihr Maul um fast 180 Grad öffnen und die Fangzähne dabei nach vorne klappen. Dadurch können sie große Beute und fast jeden Körperteil erreichen. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise die Klapperschlangen (Crotalus).

Das Gift der Schlangen

Beim Schlangengift handelt es sich eigentlich um Speichel. Das Gift wird in besonderen Speicheldrüsen produziert und dient dem Tier in erster Linie zum Beutefang und zur Verteidigung. Dass Schlangengift zu über 90 % aus Proteinen besteht, wurde bereits 1843 entdeckt. In der Tat liegt eine Mischung aus hunderten und in einigen Fällen tausenden verschiedener Enzyme und Proteinbestandteile vor. Schlangengifte enthalten besonders hohe Anteile von hydrolytischen Enzymen, d.h. eine Mischung aus Polypeptiden, Nucleasen, Peptidasen und anderen Enzymen, die zum Verdau der Beute dienen. Viele dieser Proteine sind harmlos, einige davon sind jedoch Toxine, die von Art zu Art verschieden sind. Auf diese Unterschiede lassen sich die sehr unterschiedlichen Folgen von Schlangenbissen zurückführen.

Tab.1
Schlangengifte
SubstanzklasseBeispielWirkungsmechanismus
α-Neutoroxineα-Bungarotoxin, KobratoxinBlockieren die neuromuskuläre Transmission durch Besetzung des cholinergen Rezeptors auf den Skelettmuskeln.
κ-Toxineκ-ToxinBlockieren cholinerge Rezeptoren.
β-Neurotoxineβ-Bungarotoxin, Krotoxin, TaipoxinBlockieren die neuromuskuläre Transmission durch Verhinderung der Freisetzung von Acetylcholin. Evtl. Interaktion mit K+-Kanälen.
DendrotoxineDendrotoxin, Toxin I und KErhöhung der Freisetzung von Acetylcholin.
Cardiotoxineγ-Toxin, Cardiotoxin, CytotoxinStörung des Aufbaus der Plasmamembran einiger Zellen (bspw. Herzmuskelfaserzellen) und dadurch Induktion einer Zelllyse. Herzstillstand.
MyotoxineMyotoxin-α, Krotamin, Phospholipase A2Interaktion mit einem spannungsabhängigen Na+-Kanal; lösen Muskeldegeneration aus.
HämorrhagineMukrotoxine A, HT1, HT2Induzieren Veränderungen der Gefäßwand und lösen dadurch schwere Blutungen aus.

Reptilien

Die Gruppe der Reptilien umfasst vier Ordnungen: Schildkröten, Krokodile, Schnabelköpfe und Schuppenkriechtiere. Die Schnabelköpfe sind nur noch mit einer einzigen lebenden Art vertreten, der Brückenechse. Die Schuppenkriechtiere untergliedern sich weiter in die Unterordnungen Echsen und Schlangen. Reptilien sind echte Landwirbeltiere. Die Eiablage erfolgt ausschließlich an Land. Ihre Haut trägt im Gegensatz zu den Amphibien Schuppen, Hornplatten oder Panzer. Die Haut ist drüsenarm und wird durch Häutung regelmäßig erneuert. Reptilien besitzen primär zwei paarige Extremitäten mit fünf Zehen bzw. Fingern, die bei einigen Arten z.T. vollständig zurückgebildet wurden (z.B. Blindschleiche), oder sie sind extremitätenlos (Schlangen). Das Herz besteht aus zwei Vorkammern und einer unvollständig geteilten Kammer. Reptilien sind lungenatmend. Sie sind wechselwarme Tiere und ihre Körpertemperatur ist daher in hohem Maße von der Umgebungstemperatur abhängig.

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