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Tiergifte

Nesselgifte

Quallen gehören, wie auch Korallen, Polypen und Seeanemonen, zum Stamm der Nesseltiere (Cnidaria). Nesseltiere werden zoologisch weiter unterteilt in Hydrozoen, Scyphozoen, Cubozoen und Anthozoen. Sie sind in zwei Schichten aufgebaut, dem Ektoderm und dem Entoderm. Um die einzige Körperöffnung, die zugleich Mund und After ist, sind Fangarme (Tentakel) angeordnet. Den Nesseltieren gemeinsam ist auch die Absonderung eines Giftes über die Tentakel, das auf der menschlichen Haut teilweise sehr starke Reizungen oder sogar verbrennungsähnliche Symptome verursachen kann.

Die giftigsten Quallen sind1):

  • Portugiesische Galeere (Physalia physalis, Physalia utriculus)
  • Leuchtqualle (Pelagia noctiluca)
  • Kompassqualle (Chrysaora quinquecirrha)
  • Feuerqualle oder Haarqualle (Cyanea capillata, Cyanea lamarckii)
  • Würfelqualle, Seewespe (Chironex fleckeri)

Giftwirkung

Das Nesselgift der Quallen wird in der Nesselkapsel (Nematozyste) der Nesselzellen hergestellt. Die Nesselzellen befinden sich in den Tentakeln der Nesseltiere. Die Nesselzelle hat fadenförmige Ausstülpungen. Bei Berührung des Beutetiers oder der Haut baut sich im Inneren der darunter liegenden Nematozyste ein hoher Druck (bis zu 200 Atmosphären) auf, und das Innere der Nematozyste wird explosionsartig handschuhförmig ausgestülpt, d.h. es erscheint zunächst eine pfeilspitzenähnliche Struktur, die in die Haut eindringt und das Gift injiziert.

Nesseltiere, darunter vor allem die Seewespe Chironex, haben einige der stärksten Gifte entwickelt, die es im Tierreich gibt. Eines dieser Gifte ist ein Polypeptid mit 27-49 Aminosäuren, das durch zwei bis drei intramolekulare Disulfid-Brücken stabilisiert wird. Es wirkt ähnlich wie Curare und führt zu einer Muskellähmung durch anhaltende Depolarisation der Synapsen. Andere Gifte sind höhermolekulare Peptide, deren Struktur noch nicht aufgeklärt ist und die cytolytische (Hautnekrosen) und cardiotoxische Effekte haben. Nach lokalem Kontakt mit Nesseltieren kommt es zu äußerst schmerzenden Hautrötungen, Schwellungen, Nekrosen, Muskellähmungen vor allem des Herzmuskels und, in einigen Fällen, sogar zum Tod.

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