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Pflanzentoxine

Strychnin

Abb.1
Strukturformel von Strychnin und Brucin

Strychnin ist ein basisches Alkaloid, das aus dem Samen der Brechnuss (Strychnos nuxvomica) und anderen Strychnosgewächsen gewonnen wird. Der Alkaloid-Gehalt in den Samen liegt bei etwa 3 %, etwa die Hälfte davon ist Strychnin. Ein wichtiges Begleitalkaloid ist das Brucin. Sowohl Brucin als auch Strychnin schmecken bei starken Verdünnungen (1:220.000 bzw. 1:130.000) noch bitter.

Die reine Strychninbase besteht aus einem geruchlosen, aber stark bitter schmeckenden weißen, kristallinen Pulver. Strychnin-Nitrat, Strychnin-Phosphat und Strychnin-Sulfat erscheinen ebenfalls als weiße, geruchlose und bitter schmeckende Pulver. Die Substanz ist in Alkoholen, Chloroform und Benzol gut löslich, in Wasser ist Strychnin nicht gut löslich. Strychnin ist relativ stabil und konnte in exhumierten Leichen noch vier Jahre nach dem Tode nachgewiesen werden.

Toxikologie

Strychnin wird im Magen-Darm-Trakt schnell und vollständig resorbiert. Der Wirkstoff wird in der Leber und in den Nieren nur schwach angereichert. Die Ausscheidung erfolgt mit einer Halbwertszeit von etwa 10 Stunden. Bis 20 der aufgenommenen Gesamtmenge werden unverändert über den Harn eliminiert und sind dort schon nach wenigen Minuten nachweisbar. Strychnin ist ein krampfauslösendes Gift, das im Rückenmark wirkt. Dort verdrängt es den Neurotransmitter Glycin von seinem Rezeptor, ohne dessen Wirkung auszulösen; es wirkt damit als Glycin-Antagonist. Glycin ist der Neurotransmitter der postsynaptischen Hemmung bestimmter Nervenbahnen im Rückenmark. Die Lähmung der hemmenden Glycin-Synapsen durch Strychnin bewirkt eine verstärkte Reizleitung der Nervenbahnen, die die Steuerung der Muskulatur vornehmen. Strychnin bewirkt, dass Beuge- und Streckmuskel an einem Gelenk gleichzeitig maximal zur Kontraktion gebracht werden. Die dadurch verursachten Krämpfe laufen bei vollem Bewußtsein ab und sind äußerst schmerzhaft. Es besteht die Gefahr eines Muskel- oder Sehnenrisses. Die Krämpfe werden durch akustische, optische und taktile Reize ausgelöst und verstärkt. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Hyperthermie ein.

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Abb.2

Die Lähmung der hemmenden Glycin-Synapsen durch Strychnin bewirkt, dass Beuge- und Streckmuskel an einem Gelenk gleichzeitig maximal kontrahieren.

Pharmazeutische Verwendung

Strychnin wurde früher therapeutisch als Atmungs- und Kreislaufanaleptikum bei bestimmten Formen von Kreislaufversagen und als Kräftigungs- bzw. Stärkungsmittel verwendet. Heute werden keine strychninhaltigen Arzneimittel mehr verwendet. Zudem steht Strychnin auf der Liste der verbotenen Doping-Substanzen.

In Verschnitten psychoaktiver Substanzen wie Heroin oder Cocain taucht Strychnin als Verunreinigung auf. Mittlerweile wurde auch in Ecstasy-Tabletten Strychnin nachgewiesen. Jegliche Strychnin-Einnahme gilt nach Auffassung von Toxikologen und Notfallmedizinern als dringend behandlungsbedürftig.

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