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Pilzgifte und Mykotoxine

Das Gyromitra-Syndrom

Das Gyromitra-Syndrom wird durch das Gyromitrin (Ethylidengyromitrin, N-Methyl-N-formyl-acetaldehyd-hydrazon, H3C-CH=N-N(CH3)CHO) aus rohen oder ungenügend erhitzten Frühjahrslorcheln (Gyromitra esculenta) verursacht und ähnelt der Knollenblätterpilzvergiftung. Wie bei dieser treten die Symptome nach langer Latenzzeit (6-12 h) und mit zweiphasigem Verlauf auf, aber neben Leberschäden kommt es hier auch zu ZNS-Ausfällen und einer Hämolyse.

Nach dem Verzehr der Pilze treten Müdigkeit, Überkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auf. Auf diese erste Phase folgt ein mehr oder weniger symptomfreies Intervall, dann aber treten Leberschäden, Gelbsucht und Hämolyse auf; die Leber wird extrem druckempfindlich. In dieser zweiten Phase kommt es zu einer verstärkten Unruhe, zu Erregungszuständen, erweiterten Pupillen, Krämpfe und zum Delirium. Der Patient stirbt durch einen Kreislaufkollaps oder durch Atemstillstand nach 2-3 Tagen.

Das Gift

Gyromitrin ist N-Methyl-N-formylhydrazon des Acetaldehyds, das in wässriger, saurer Lösung zu Acetaldehyd und N-Methyl-N-formylhydrazin gespalten wird. Ein weiterer Hydrolyse-Schritt führt zu Ameisensäure und Methylhydrazin, dem eigentlichen Wirkstoff. Neben Leberschäden wirkt dieses Gift auch teratogen und carcinogen. Die LD50 liegt für einen Erwachsenen bei ca. 20-50 mg/kg. Gebildet wird das Gift von Gyromitra esculenta, der Frühjahrslorchel, die bis zu 320 mg/kg Gyromitrin enthalten können. Das hitzelabile Gift ist allerdings in sehr unterschiedlichen Konzentrationen in den Pilzen enthalten; es kommt nicht in allen Fällen zu einer Vergiftung.

Abb.1
Hydrolyse von Gyrometrin
Abb.2
Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta)
© by Erhard Ludwig, Fungicon-Verlag Berlin
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