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Pilzgifte und Mykotoxine

Mykosen durch fakultativ pathogene Pilze

Fakultativ pathogene Pilze sind Pilze, die als normale Haut- oder Schleimhautbewohner des Menschen gelten und auch bei den meisten Menschen zu finden sind. Unter bestimmten Umständen (wenn das Immunsystem geschwächt ist wie bei sehr jungen, sehr alten oder kranken Menschen) können sich diese Pilze ausbreiten und sind dann auch pathogen. Die fakultativ pathogenen Pilze werden in vier Gruppen unterteilt:

  • Dermatophyten (Trichophyton, Microsporum, Epidermophyton u.a.) sind Pilze, die oft von Tieren durch direkten Kontakt übertragen werden. Die Lokalisierung ist meist oberflächlich (Fuß, Kopf usw.), tiefe Gewebe werden in der Regel nicht befallen.
  • Fakultativ pathogene Hefen: Neben Cryptococcus-Arten sind es vor allem Candida albicans und andere Candida-Arten, die in diese Gruppe fallen. Bei HIV-Patienten treten oft atypische Candida-Stämme auf, die unter dem Begriff Candida dublinensis zusammengefasst werden. Candida-Hefen sind häufig normale Bewohner des Mundes und Darmes. Infektionen werden durch die Einnahme von Antibiotika oder Ovulationshemmern und Faktoren wie Schwangerschaft, Diabetes, Eisenmangel, HIV-Infektion, Immunschwäche oder AIDS begünstigt. Candida-Infekte treten auf als Windeldermatitis, Genitalsoor, Mundsoor (häufig bei Frühgeborenen, Gebissträgern, AIDS-Patienten oder bei alten Menschen. Soor-Ösophagitis kommt im Zusammenhang mit AIDS vor, eine Candida des Darmes ist eher selten und tritt ebenso wie die Candida-Pneumonie zumeist nur bei Immunschwäche auf. Eine invasive Candidiasis ist z.B. bei Venenkathetern u.a. möglich.
  • Fakultativ pathogene Schimmelpilze (Aspergillus, Mucor): wichtigster Erreger ist hier Aspergilllus fumigatus, seltener A. flavus, A. nidulans oder A. niger u.a. Diese kommen z.B. in Blumenerde, im Hausstaub, faulem Holz, nassem Laub, schimmelnder Pappe oder feuchten Tapeten vor. Von gesunden Menschen werden die Sporen ohne weitere Folgen inhaliert, bei immunkomprimierten Patienten (z.B. bei Leukämie, nach Organ- oder Knochenmarkstransplantationen und bei AIDS) können die Pilze aber auch die Bronchien besiedeln. Die Behandlung ist oft sehr schwierig und dauert viele Jahre. Die Prognose bei einer invasiven Aspergillus-Infektion ist auch bei optimaler Behandlung reativ schlecht, 65-70 % der Patienten sterben innerhalb der ersten drei Monate.
  • Dimorphe Pilze: Histoplasma, Coccidioides u.a. sind Erreger von Systemmykosen, die meistens als gut behandelbare Hautmykosen auftreten. Die Pilzsporen können über kleine Hautverletzungen in den Körper gelangen, breiten sich aber nur bei immunsupprimierten Patienten entlang der Lymphgefäße aus. Coccidiomykosen (USA), Blastomykosen (Missouri) oder Paracoccidioidomykosen (Südamerika) kommen in Europa praktisch nicht vor.
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