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Antibiotika

Nosokomiale Infektionen mit Staphylococcen

Schätzungen zufolge ziehen sich durchschnittlich 4-9 von 100 stationär behandelten Patienten im Krankenhaus eine bakterielle Infektion zu (nosokomiale Infektionen). Die Verursacher sind Bakterien, die in den meisten Fällen harmlos sind und überall vorkommen, so z.B. Staphylococcus aureus. Manche Staphylococcen-Stämme können aber besonders für kranke oder alte Menschen lebensgefährlich sei: Sie infizieren die Haut, das Blut oder die Harnwege und führen zu Erkrankungen wie Abszessen, Sepsis oder dem Toxischen Schock-Syndrom, TSS.

Hinweis
TSS ist eine selten auftretende Infektion, an der in den 1970er Jahren einige Frauen starben. Ursache dafür war ein Toxin-bildender Staphylococcus aureus-Stamm, der die damals neuen, hochabsorbierenden Menstruationstampons besiedeln konnte. TSS ähnelt dem STSS (streptococcal toxic shock syndrome), das von Streptococcen verursacht wird. STSS kann auftreten, wenn Streptococcen durch Wunden (Schnittwunden, Kratzer, Operationswunden) in den Körper gelangen.

Krankenhäuser bieten exzellente Bedinungen für Staphylococcen, die relativ austrocknungsresistent sind und gut an Oberflächen haften. Aufgrund des Einsatzes von Antibiotika ist die Konkurrenz durch andere Bakterien weitgehend ausgeschaltet, so dass sich die Staphylococcen ungehindert vermehren können. Gefährlich sind vor allem Mehrfach-Resistenzen, die bei Krankenhhauskeimen sehr häufig auftreten - so bilden vermutlich mehr als 75 % aller Staphylococcus aureus-Isolate Penicillinasen, und etwa 20 % sind resistent gegen die üblicherweise eingesetzten Antibiotika Methicillin/Oxacillin. Diese Stämme werden auch als MRSA-Stämme (multi resistant Staphylococcus aureus) bezeichnet.

Die Mehrfachresistenz beruht auf einem veränderten Penicillin-Bindeprotein, so dass praktisch alle Lactam-Antibiotika unwirksam sind, und wird über R-Plasmide von Bakterium zu Bakterium weitergegeben. Einige besonders problematische Staphylococcus aureus-Isolate sind noch gegen weitere Antibiotika resistent. Bisher galt Vancomycin immer als das Antibiotikum der Wahl für diese mehrfach resistenten Stämme, aber nun sind auch einige Fälle von plasmidvermittelter Vancomycin-Resistenz aufgetreten, so dass sich die Palette der wirksamen Antibiotika zur Behandlung dieser Infekte mehr und mehr reduziert.

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Abb.1
Glycopeptid-Antibiotikum Vancomycin

PDB-Code 1AA5

Abb.2
2D-Strukturformel von Vancomycin
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