zum Directory-modus

Viren

Systematische Einteilung der Viren

Der Nobelpreisträger David Baltimore schlug 1971 vor, die Viren auf der Basis ihrer Replikationsstrategie und damit nach der Art der Nucleinsäure zu klassifizieren. Nach dieser Klassifikation werden Viren mit Einzelstrang-DNA oder RNA (ssDNA bzw. ssRNA, ss für single stranded) und Doppelstrang-DNA oder RNA (dsDNA bzw. dsRNA, ds für double stranded) unterschieden. Eine Einzelstrang-Nucleinsäure kann zwei Richtungen haben. Die mRNA bzw. die entsprechend gerichtete DNA wird hierbei definitionsgemäß als (+)RNA und (+)DNA bezeichnet, zur mRNA komplementäre RNA oder DNA als (-)RNA bzw. (-)DNA.

Die Baltimore-Klassifikation ist mittlerweile nur noch in wenigen Forschungsbereichen gebräuchlich, denn sie führt zu manchmal verwirrenden Gruppierungen: Der Bakteriophage T2 und Variola-Viren sind in der gleichen Gruppe, ohne evolutionsbiologisch auch nur annähernd miteinander verwandt zu sein. Die heute übliche Virustaxonomie basiert auf Entscheidungen eines internationalen Gremiums, dem International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV). Universal-Virus-Datenbank des ICTV beim National Institute of Health der USA

Da für die molekularbiologische Praxis die Replikationsweise von größerer Bedeutung ist als evolutionsbiologische Verwandtschaftsverhältnisse, macht es jedoch im Rahmen dieser Lerneinheit Sinn, Viren anhand der Genomorganisation wie folgt zu gruppieren.

Virusklassifikation anhand des Genoms

  • Doppelsträngige DNA (dsDNA) wie z.B. bei Adeno-, Herpes- oder Pockenviren.
  • Einzelsträngige DNA (ssDNA).
  • Doppelsträngige RNA (dsRNA) wie z.B. bei Reo- oder Birnaviren.
  • Einzelsträngige positivgerichtete RNA (ss(+)RNA) wie z.B. bei Picorna-, Toga-, Calici-, Flavi- und Coronaviren.
  • Einzelsträngige negativgerichtete RNA (ss(-)RNA) wie z.B. bei Orthomyxo-, Rhabdo-, Paramyxo-, Filo-, Bunya- oder Bornavien.
  • Einzelsträngige positivgerichtete RNA mit DNA-Zwischenschritt wie z.B. bei Retroviren.
  • Doppelsträngige DNA mit RNA-Zwischenschritt wie z.B. bei Hepadna-Viren.
Abb.1
Bakteriophage T2
Seite 4 von 37