Die PCR-Technologie ermöglicht heute die gezielte Mutagenese von Klonierungssystemen. Eine wichtige Bedeutung kommt dabei der Einführung von Insertionen und Deletionen in Plasmid-DNA mit Hilfe der inversen PCR zu.
Teil A der Abbildung zeigt das Prinzip. Einer der beiden Primer enthält eine Mutation, z.B. einen Basenaustausch, eine Deletion oder eine Insertion. Wenn diese Mutation genügend weit vom 3'-OH entfernt ist, akzeptiert die Polymerase diesen Primer.
Zuerst hat man gemäß Teil B nicht nur mit zwei Primern, sondern mit insgesamt vier Primern in drei Schritten gearbeitet: Die zwei Primer 2 und 3 dienen dazu, die Mutation zu setzen. Die zwei Gegenprimer 1 und 4 passen exakt auf die Ausgangs-DNA und haben die Aufgabe, die Mutation in einen stabilen Bereich unmodifizierter DNA einzubinden und den entsprechenden DNA-Abschnitt anzureichern. Man muss die Produkte isolieren und dabei die überschüssigen Primer entfernen, oder man führt die Reaktion soweit, dass alle Primer verlängert sind. Gemäß Abbildung B werden die Produkte gemischt und mit den direkt passenden Primern 1 und 4 amplifiziert. Die Primer mit der gewünschten Mutation müssen länger gewählt werden, so dass jede flankierende Sequenz für sich allein eine stabile Doppelhelix bilden kann. Im konkreten Fall reichen zumeist anstelle von 2x20 Basenpaaren 2x12 Basenpaare.
Wenn man einen Zwischenisolierungsschritt einfügt, kann die ganze Prozedur mit nur drei Primern und mit einem Amplifikationsschritt weniger durchgeführt werden (vgl. Teil C). Ein besonders eleganter Weg ist die Mutagenese mit nur zwei Primern. Man verfährt wie bei der Herstellung von Fusionsproteinen mittels inverser PCR. Allerdings sind hier viele Fehlerquellen vorhanden, so dass zumeist mit der 3-Primer-Methode gearbeitet wird. Anschließend gelingt durch Umsetzen des gesamten DNA-Abschnittes die ewünschte Mutation mit maximaler Ausbeute. Allerdings sei bei der PCR-Vermehrung angemerkt, dass die Fehlerrate der Taq-Polymerasen offensichtlich höher ist als die der E.coli-Polymerase. Man kann heute eine thermophile Polymerase mit proofreading-Aktivität (z.B. die Vent-Polymerase von Biolabs) verwenden, sollte aber trotzdem in jedem Fall den umgesetzten Bereich durch DNA-Sequenzierung überprüfen.