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Gefahrenpotenzial von Rüstungsaltlasten

Probleme bei der Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten

Zur Ermittlung des Gefährdungspotenzials von Rüstungsaltlasten müssen zunächst alle kontaminierten Areale aufgespürt und die Kontaminanten - einschließlich ihrer Metaboliten (häufig unbekannt) - qualitativ und quantitativ erfasst werden. Dabei sind mögliche Verbreitungspfade zu berücksichtigen.

Die Erkundung von Rüstungsaltlasten wird erschwert, weil die verstärkte Produktion von Spreng- und Kampfstoffen zeitgleich mit den Kriegsereignissen des ersten bzw. zweiten Weltkrieges einsetzte. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte eine zügige, aber nicht immer sachverständige Demilitarisierung (Zerstörung von Produktionsanlagen und Vernichtung von Munitionsdepots) durch die Besatzungsmächte. Daraus resultiert die z. T. bis heute anhaltende Unklarheit sowohl über die Lage der kontaminierten Areale als auch über die Art und das Ausmaß des Schadstoffeintrages in die Umwelt und seine mögliche Verbreitung. Auch das Umweltverhalten von Kampf- und Explosivstoffen ist nur ungenügend bekannt. Damit reicht die alleinige Identifizierung der reinen Kampfstoffe nicht aus - auch mögliche Vor- und Transformationsprodukte müssen in die Untersuchungen einbezogen werden!

Abb.1

Die Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten-Verdachtsflächen basiert auf den experimentell zu bestimmenden Schadwirkungen der relevanten Substanzen auf die verschiedenen Umweltkompartimente Boden, Wasser und Luft - wobei die ermittelten Konzentrationen zueinander in Beziehung gesetzt werden müssen.

Alle kontaminierten Bereiche und ihre Emmisionspfade sind nicht nur chemisch sondern auch geologisch und (öko)toxikologisch zu bewerten.

Hinweis
Dieser Bewertungsprozess ist in seiner Komplexität schwieriger zu bewältigen, als die alleinige Einschätzung der gesundheitsschädigenden Wirkung der Stoffe durch die Humantoxikologie.

Insbesondere die ökotoxikologischen Wirkungen der Schadstoffe lassen sich schwer abschätzen, weil wichtige Daten zur Beurteilung des Umweltverhaltens von Kampfstoffen (wie z. B. Mobilität, Persistenz, Akkumulierbarkeit sowie ihre direkten und indirekten Schadwirkungen) nur unzureichend bekannt sind.

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