zum Directory-modus

Gefahrenpotenzial von Rüstungsaltlasten

Rüstungsaltlasten-Begriff

Im Rahmen des Umweltschutzes ist die Erfassung und Beseitigung von Überresten der Industrie, Konsumtion, Rüstung und des Militärs bezüglich Aufwand und Kosten ein wichtiges Problem. Für die Bezeichnung solcher Standorte wurde in Deutschland der Altlastenbegriff geprägt.

Definition
Altlasten sind nach allgemeinem Verständnis in Deutschland Altstandorte oder Altablagerungen jeder Art, sofern von ihnen eine Gefährdung für die Umwelt, insbesondere aber für die menschliche Gesundheit ausgeht oder zu erwarten ist.

Die Bewertung eines Gebietes als Altlast setzt also die Einschätzung eines möglichen Gefährdungspotenzials dieser Fläche voraus! Der Begriff Altlast lässt sich daher nur bedingt in andere Sprachen übertragen, so ist z.B. das englische Analogon "contaminatet site" kein Synonym, da es nicht mit dem Gefahrenbegriff verknüpft ist.

Dabei ist eine Differenzierung der kontaminierten Flächen in zivile Altlasten und Rüstungsaltlasten wegen des entsprechend der Verursachung unterschiedlichen Schadstoffspektrums sinnvoll: Rüstungsaltlasten sind vor allem mit branchenspezifischen Schadstoffen belastet.

Als Rüstungsaltlast werden alle Standorte bezeichnet, an denen Kampfmittel jeder Art (auch ihre Vor-, Zwischen- oder Abfallprodukte) hergestellt, erprobt, gelagert oder beseitigt wurden und von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht.

Abb.1

Die Abgrenzung des Begriffes Rüstungsaltlasten wird nicht immer einheitlich gehandhabt. Sie ist meist durch die jeweilige Situation im Verwaltungsgebiet (Bundesland) und/oder durch die konkrete Problemstellung am Standort begründet. Meist jedoch wird die Begriffsfindung nach dem Zeitpunkt der Verursachung der Rüstungsaltlasten eingeschränkt.

Dabei gelten kontaminierte Areale als Rüstungsaltlasten, wenn sie in der Zeit vom Beginn der Kampfstoffproduktion im ersten Weltkrieg bis zur Demontage der deutschen Rüstungsanlagen durch die Besatzungsmächte (etwa 1950) verursacht wurden.

Die nach 1950 entstandenen Hinterlassenschaften der stationierten Alliierten Streitkräfte, der Bundeswehr und der ehemaligen NVA werden den militärischen Altlasten zugeordnet, auch wenn sich das Schadstoffinventar oft ähnelt.

Zum Teil wird der Begriff Rüstungsaltlasten auch im weiteren Sinne gebraucht und schließt die letztgenannten Standorte mit ein.

Andere Verwaltungsstellen (z. B. in Sachsen) fassen den Rüstungsaltlasten-Begriff noch enger und betrachten ausschließlich die Standorte der ehemaligen Rüstungsproduktion (keine Übungsplätze, Lager etc.) als Rüstungsaltlasten.

Dabei wird in keinem Fall eine Einschränkung des Schadstoffspektrums vorgenommen: Die jeweilige Rüstungsaltlast umfasst alle am Standort befindlichen Kontaminationsquellen für Schadstoffe - vom verunreinigten Handschuh eines Arbeiters über Lagerbestände an Chemikalien bis zu Munitionsfunden!

Seite 4 von 15