zum Directory-modus

Analytik von Rüstungsaltlasten

Die Rüstungsaltlast WASAG (Westfälisch-Sächsisch-Anhaltinischen Sprengstoff-AG) bei Elsnig

Im Herbst 1990 erhielt das Umweltamt des damaligen Landkreises Torgau erstmalig Kenntnis von einer nördlich von Torgau gelegenen Rüstungsaltlast, die in ihrer Ausdehnung zu den größten in Deutschland zählt. Unmittelbar angrenzend an das heutige Trinkwasserschutzgebiet Mockritz/Elsnig befand sich von 1936-1945 das Werk "Vogelgesang" der WASAG - die drittgrößte Sprengstofffabrik und Munitions-Abfüllstelle (MUNA) des Deutschen Reiches.

Abb.1

Im Auftrag von Heer und Kriegsmarine wurde hier vor allem TNT-Sprengstoff, aber auch Hexa (Hexanitrodiphenylamin) und K-Salz (Hexogen) hergestellt. Daneben wurden Sprengstoffmischungen in Unterwasserwaffen abgefüllt und Leuchtsätze produziert. Während der Produktion kam es zu zahlreichen Bodenkontaminationen mit Schadstoffen, verursacht durch Produktionsverluste, Havarien und Explosionen sowie durch mehrfache Bombardierung der Anlagen. Außerdem muss mit unkontrolliertem Verbringen und Vernichten von Produkten in den letzten Kriegsmonaten und bei der Sprengung der Anlagen 1945 durch die Sowjetischen Streitkräfte gerechnet werden.

Da das Gelände jahrzehntelang den Niederschlägen ausgesetzt war, gilt eine Kontamination des Grundwassers durch Auswaschung des Bodens als unausbleibliche Folge. Das trifft insbesondere auf den 6000 m2 großen Bereich Brandplatz/Brandplatzhalde zu, wo schadstoffhaltige Produkte der ehemaligen Sprengstoffproduktion abgelagert und behandelt wurden.

Die Migration der produktionstypischen Gefahrstoffe aus dem Boden ins Grundwasser führt zur Gefährdung der naheliegenden Trinwasserschutzzonen.

Abb.2

Weder zum Ausmaß der Kontamination im eigentlichen Schadstoffherd noch zum Grad der Grundwasserkontamination und zum Fortschritt der Schadstoffausbreitung in Richtung Wasserwerk Elsnig lagen zunächst gesicherte Informationen vor.

Die Tatsache, dass aus dem Fassungsbereich der Wasserwerke der Elbaue Mockritz/Elsnig eine lokale und überregionale Trinkwasserversorgung des mitteldeutschen Ballungsraumes Leipzig/Halle erfolgt, zwang zur Veranlassung von Sofortmaßnahmen zur Minderung des Gefährdungspotentials (vor allem der Quelle Brandplatzhalde) und zur Überprüfung des Grundwassers auf eine Belastung mit Sprengstoffrückständen aus der Rüstungsproduktion des zweiten Weltkrieges:

  • Provisorische Abdeckung der Brandplatzhalde
  • Errichtung einer Drainwasseraufbereitung
  • Aufbau eines Sondermessnetzes zur Beprobung und analytischen Untersuchung von Grund- und Oberflächenwasser im WASAG-Umfeld und im Einzugsbereich der Wasserfassungen Elsnig und Mockritz
  • Lokale Beprobungskampagnen zur Erfassung der aktuellen Grund- und Oberflächenwasserbeschaffenheit

Neben diesen Erstmaßnahmen der Gefahrenabwehr standen und stehen für eine Abklärung des Gefahrenpotentials des Geländes weitere Aufgaben-Komplexe zur Bearbeitung an, deren Koordinierung im Rahmen eines "Modellstandort"-Projektes (MOST Projekt WASAG Elsnig) ermöglicht wird.

  • Historische Recherche zur Rekonstruktion der Anlagen und Betriebsabläufe
  • Erkundung der geologisch-hydrologischen Verhältnisse und Ableitung (Simulation) möglicher Schadstofftransporte
  • Human-toxikologische Bewertung des Grundwassers
  • Sicherung der human-toxikologischen Bewertung des Kontaminationspotentials von sprengstofftypischen Verbindungen
  • Untersuchungen des Umweltverhaltens sprengstofftypischer Verbindungen, Erprobung von Nachweisen von Nitroaromaten und Nitraminen und möglicher Schnelltests und Untersuchungen zum mikrobiellen Abbau von Sprengstoffen (besonders Hexogen und Hexyl) u. a.

Historische Recherche

Human-toxikologische Bewertung des Grundwassers

Seite 3 von 24