zum Directory-modus

Gift und Gegengift

Gift und Gegengift - Einleitung

In der Realität wird es nicht so einfach laufen wie bei MacGyver, der einen Freund nach einem Blausäure-Anschlag vor dem Gifttod bewahrt indem er ihm Natriumthiosulfat-haltige Fixierlösung aus einem nahegelegenen Fotoladen zu trinken gibt. Die zugrunde liegende chemische Reaktion entspricht aber den im wirklichen Leben eingesetzten Maßnahmen bei einer Cyanid-Vergiftung, und das Beispiel zeigt, dass selbst eine schwere Vergiftung nicht zum Tod führen muss.

Nicht nur für die Blausäure und ihre Salze, die Cyanide, auch für viele andere Gifte gibt es Gegengifte, die die jeweilige Giftwirkung mehr oder weniger stark mindern. Die wissenschaftliche Bezeichnung für solche Gegengifte ist Antidot (Gegengabe, aus dem griech. antidoton). Die Minderung der Giftwirkung kann dabei auf verschiedene Weisen erfolgen. Einige der verabreichten Mittel haben z. B. eine giftbindende Wirkung. Das bekannteste Beispiel hierfür ist wahrscheinlich die Aktivkohle, verabreicht in Form von Kohletabletten und wirksam bei vielen oral aufgenommen Giften. Andere Mittel mindern die Giftwirkung durch eine chemische Reaktion, durch die das Gift zu einer für den Organismus weniger schädlichen Verbindung umgesetzt wird (wie im einleitenden Blausäure/Natriumthiosulfat-Beispiel). Wiederum andere als Antidot verabreichte Substanzen haben eine antagonistische Wirkung, sie verdrängen das Gift vom Wirkungsort. Häufig ist die Wirkungsweise des Antidots von der Art der Giftaufnahme abhängig, z. B. oral oder intravenös.

Aber auch die Gegengifte haben oftmals ihre Schattenseiten. So sind viele dieser Substanzen bei bestimmten Dosierungen selbst giftig (und haben unter Umständen auch wieder ein eigenes Antidot). Eine präventive Einnahme eines Antidots vor einem möglichen Kontakt mit einer giftigen Substanz ist deshalb in den meisten Fällen genauso wenig zu empfehlen wie die unkontrollierte Verabreichung nach einer Vergiftung. Dieser Artikel soll deshalb keine Anleitung zur Behandlung von Vergiftungen sein, sondern einige prominente Gift-Gegengift-Paare vorstellen. Bei dem Verdacht auf eine Vergiftung sollte man sich in ärztliche Behandlung begeben und/oder den örtlichen Giftnotruf kontaktieren.

Genauso wie die Gifte, können auch die Gegengifte voneinander grundverschieden sein. Auf beiden Seiten gibt es sowohl anorganische und organische Substanzen als auch Biomoleküle. Entsprechend reicht auch die Größe der Gifte und Gegengifte von Elementen und kleinen Molekülen bis hin zu hochkomplexen Protein- und Peptidgemischen, z. B. in vielen Schlangen- oder Spinnengiften. Letztere benötigen in der Regel spezielle, zum jeweiligen Gift passende Antiseren.

Diese komplexen Tiergifte werden im Weiteren ausgeklammert. Im Folgenden nun eine Auswahl bekannter Gifte und ihrer Gegengifte aus den Bereichen der anorganischen und organischen Substanzen.

<Seite 1 von 5