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Vitamin K

Vitamin K - Versorgungsstatus

Das pflanzliche Vitamin K1 wird innerhalb des Dünndarms über einen energieabhängigen, sättigbaren Resorptionsmechanismus aufgenommen. Menadion und die bakteriellen K-Vitamine mit isoprenoider Seitenkette werden hingegen vorwiegend in den unteren Darmabschnitten mittels eines Energie- und Carrier-unabhängigen Mechanismus passiv resorbiert. Die Resorption der lipophilen Vitamine ist stark an die allgemeine Fettaufnahme unter Mitwirkung der Gallensäuren geknüpft. In Abhängigkeit von dieser Fettabsorption könnte auch die Bakterienflora des menschlichen Darms in der Lage sein, einen Teil des Tagesbedarfes an Gesamt-Vitamin K zu decken.

Die Effizienz der einzelnen Bakterienstämme bei der Vitamin K-Produktion schwankt erheblich. So produzieren die Bakterien des Typs Bacteriodes fragilis, Proteus vulgaris, Staphylococcus albus und Bacillus subtilis aufgrund ihrer höheren Populationsdichte im Darm rund 100mal mehr Vitamin K2 als die Bakterien des Stammes E. coli. Die von diesen Stämmen synthetisierten K2-Vitamine werden von anderen Bakterienarten der Darmflora zusammen mit dem Vitamin K1 teilweise aufgenommen, an der 3-Position zu Menadion gespalten und zu artspezifischen K-Vitaminen weiterverarbeitet. Der menschliche Organismus kann somit lediglich jene K-Vitamine nutzen, die dieser bakteriellen Veränderung der K-Vitamine entgehen. Hinzu kommt, dass in den unteren Darmbereichen die für die Vitamin K-Resorption notwendigen Voraussetzungen für eine Absorption lipophiler Stoffe sehr begrenzt sind.

Schätzung des täglichen Bedarfs

Unter Hinweis auf die bakterielle Eigenverwertung der K-Vitamine sowie der Tatsache, dass 70-80 % der Vitamin K-Reserven in der Leber als "pflanzliches" Vitamin K1 vorliegen, bezweifeln zahlreiche Autoren einen bedeutenden Einfluss der bakteriellen Vitamin K-Produktion auf den menschlichen Versorgungsstatus. Unter Berücksichtigung einer möglichen bakteriellen Synthese wurde daher 1985 der tägliche Bedarf an Vitamin K von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf 10-30 µg/kg Körpergewicht (KG) geschätzt. Aufgrund der Tatsache, dass bei zahlreichen Tierarten keine Vitaminmangelerscheinungen durch die Verfütterung von Vitamin K-freier Nahrung erzielt werden konnten, hat die DGE 1991 ihre Empfehlungen den Vorgaben des amerikanischen Food and Nutrition Boards angeglichen und auf 1-1,5 µg/kg KG und Tag reduziert. Diese Entscheidung wurde mit Hinweis auf die noch unzureichenden Kenntnisse über den Vitamin K-Versorgungszustand des Menschen von verschiedenen Seiten kritisiert. Im Jahr 2000 wurden die Empfehlungen aufgrund der aktuellen Datenlage von der DGE auf 1 µg/kg KG weiter reduziert.

Für eine Beteiligung der bakteriellen Vitamin K-Produktion am menschlichen Versorgungsstatus spricht vor allem die Beeinflussung der Bioverfügbarkeit durch hochwirksame Breitband-Antibiotika und Sulfonamide. In der Regel führen derartige Schädigungen der Population von Darmbakterien beim Menschen jedoch kaum zu Vitamin K-Mangelsymptomen. Darmerkrankungen und Resorptionsstörungen können hingegen die Aufnahme von Vitamin K in den Körper stören und so Mangelerscheinungen herbeiführen.

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