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Psychoneuroaktive Inhaltsstoffe der Schokolade

Psychoneuroaktive Wirkungen von Fett und Zucker

Fett

Fett bewirkt über die Geschmackssensoren eine Steigerung des Appetits und eine Aktivierung des Belohnungssystems. Im Laufe der Evolution hat sich fetthaltige Nahrung als besonders ergiebige Kalorienquelle erwiesen. Der noch immer steinzeitliche Stoffwechsel des Menschen versucht daher, möglichst viel dieses erstklassigen Energielieferanten zu konsumieren und belohnt dieses Verhalten mit positiven Gefühlen und einer Ausschüttung von Endorphinen.

Zucker

Kohlenhydrate allgemein und Zucker im Besonderen wirken indirekt auf die Neurochemie und das Wohlbefinden. Wie beim Fett kommt es beim Verzehr der kalorienreichen Kohlenhydrate zu einer Aktivierung des Belohnungssystems. Diese fällt besonders stark aus, weil das Gehirn fast ausschließlich auf Glucose als Energiespender angewiesen ist. Das Hormon Insulin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es wird ausgeschüttet, um den Transport der aufgenommenen Glucose in die Zellen zu erhöhen. Gleichzeitig fördert es die Aufnahme von Tryptophan. Diese Aminosäure ist die Ausgangsverbindung für die Biosynthese des Nervenbotenstoffs Serotonin. So führt der Verzehr von Zucker letztlich auch über die Synthese von Serotonin zu einem gesteigerten Wohlbefinden.

Kohlenhydrate gegen die Winterdepression

Winterzeit, Schokozeit.

Die Winterdepression, medizinisch als Saison-abhängige Depression oder seasonal affective disorder (SAD) bezeichnet, wird oft von einem Mangel an Serotonin begleitet. Ursache ist die Abnahme der täglichen Sonneneinstrahlung. Um möglichst viel Sonnenlicht in die Haut gelangen zu lassen, das für die Produktion von Vitamin D notwendig ist, wird das Hormon Melatonin vermehrt ausgeschüttet: es induziert den Abbau des Hautfarbstoffs Melatonin. Als Ausgangssubstanz für das Melatonin wird jedoch Serotonin benötigt, dessen sinkende Konzentration die Stimmungslage beeinträchtigt. Behandeln lässt sich eine solche lichtabhängige Winterdepression am besten durch eine Bestrahlung des Körpers mit speziellen Tageslichtlampen. Wichtig ist, das Licht auch über die Augen aufzunehmen, denn die Melatonin-ausschüttende Epiphyse sitzt direkt an der Kreuzung der beiden Sehnerven.

Wie effektiv Schokolade das Wohlbefinden stärkt und als nicht verschreibungspflichtiges Therapeutikum wider die Winterdepression genutzt wird, kann man an der statistischen Verteilung des weltweiten Schokoladen-Konsums erkennen. Je weiter man sich geographisch vom Äquator entfernt, sich in Richtung Pol bewegt und sich damit immer schwächerem Tageslicht aussetzt, desto höher steigt der individuelle Verbrauch an Schokolade.

Die intuitive Neigung, eine Winterdepression mit dem Verzehr von Kohlenhydraten zu lindern, kann jedoch zu Begleiteffekten führen, die ihrerseits das Potenzial für depressive Phasen haben. Der vielsagende englische Fachbegriff dafür lautet carbohydrate-craving obesity (CCO), was man etwas holprig mit "einer auf dem Verlangen nach Kohlenhydrat beruhenden Fettleibigkeit" übersetzen kann. Die Gefahr, sich durch den unkontrollierten Verzehr von Schokolade optisch der fülligen Erscheinung eines Weihnachtsmannes anzunähern, wird jedoch von den meisten Menschen ignoriert. Dies spricht einmal mehr dafür, dass die Schokolade Stoffe enthält, die einen die besten Vorsätze vergessen lassen.

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