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Patienten-Charakteristik der ersten multizentrischen MCS-Studie Deutschlands

In der ersten multizentrischen MCS-Studie Deutschlands haben sich einige signifikannte Merkmale bei MCS-Patienten herauskristallisiert, insbesondere bei jenen, die sich selbst als Chemikalien-überempfindlich einstufen:

  • hoher Leidensdruck
  • multiple subjektive Fremdstoffunverträglichkeiten, mit Schwergewicht auf Innenraumschadstoffen
  • breites Beschwerdenspektrum mit subjektivem Expositionsbezug
  • überwiegend Frauen betroffen, besonders in mittleren Altersgruppen
  • häufiger alleinstehend und nicht bzw. nicht mehr berufstätig oder mit längeren Krankschreibungen
  • zahlreiche Voruntersuchungen

Die erweiterte Basisstichprobe und die Nachuntersuchung der "Studie zum Verlauf und zur Prognose des MCS-Syndroms" kommt zu folgendem Schluss:

Die hypothesengeleitete Datenauswertung ergab für das MCS-Phänomen kein charakteristisches Symptommuster, keinen systematischen Zusammenhang zwischen geklagten Beschwerden und angeschuldigten Noxen, keinen Hinweis auf eine besondere genetische Prädisposition der MCS-Patienten und keinen Beleg für eine eindeutige Störung des olfaktorischen Systems oder eine neurogene Entzündung. Die standardisierte psychiatrische Diagnostik (CIDI) ergab, dass Umweltambulanzpatienten signifikant höher unter psychischen Störungen leiden als die vergleichbare Allgemeinbevölkerung und dass psychische Störungen bei den meisten Patienten den umweltbezogenen Beschwerden weit vorausgehen.

WaBoLu-Heft 01/05

Auch eine toxikologisch/psychosomatische Studie der TU München an 308 Patienten mit umweltassoziierten, unspezifischen Symptomen kam zu dem Schluss, MCS werde nicht durch Chemikalien ausgelöst, sondern sei ein "Fehlglauben, der iatrogen und sozial verstärkt wird" (Quelle: T. Zilker / ÄrzteZeitung 10.09.2004).