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Interleukine

Interleukin-10

Interleukin-10 (IL-10) wird auch als Cytokin-Synthese-inhibierender Faktor (CSIF) bezeichnet.

Das säurelabile Homodimer mit einer molekularen Masse von 37 kDa wird von zahlreichen Zelltypen produziert, u.a. von bestimmten regulatorischen T-Lymphocyten (z. B. TH2-Helferzellen), cytotoxischen T-Zellen, Mastzellen, Makrophagen, B-Lymphocyten, Keratinocyten und eosinophilen Granulocyten.

IL-10 hemmt die Aktivierung der Synthese entzündungsfördernder (pro-inflammatorischer) Cytokine in TH1-Lymphocyten, aktivierten Makrophagen und in NK-Zellen. Es begrenzt auf diese Art und Weise das Ausmaß der Immunreaktion. IL-10 stimuliert und steigert die Proliferation von B-Zellen, Thymocyten und Mastzellen. Gemeinsam mit dem TGF1)-β stimuliert es die Produktion von IgA2) in menschlichen B-Zellen.

IL-10 hat ein extrem breites Wirkungsspektrum, es ist nicht nur an entzündlichen Prozessen beteiligt, indem es diese begrenzt und beendet, sondern auch an der Tumorentwicklung und an Autoimmunprozessen.

Dazu nur einige wenige Beispiele: Eine übermäßige Produktion von IL-10 scheint die Entwicklung von Krebsarten wie Melanomen und Lymphomen zu fördern, während eine zu geringe Produktion dieses Interleukins bei der Schuppenflechte eine Rolle spielt. Knock-out-Mäuse, denen das IL-10-Gen fehlt, entwickeln letale Entzündungen des Magen-Darm-Traktes, was die Rolle dieses Cytokins als entzündungshemmendem Wirkstoff unterstreicht. Ohne IL-10 haben die zahllosen Antigene, die im Magen-Darm-Trakt natürlicherweise auftreten, offensichtlich fatale Auswirkungen auf die Gesundheit des Organismus.

Therapeutische Anwendungen von Interleukin-10

IL-10 wirkt auf sehr viele Zellen im Immungeschehen, so dass sich eine große Bandbreite möglicher Anwendungen ergibt. Therapeutisch bedeutsam sind aber insbesondere Behandlungsmöglichkeiten, die im Zusammenhang mit der Schuppenflechte stehen.

Ähnlich wie IL-4 und auch IL-11 wirkt IL-10 vor allem anti-inflammatorisch, da dieses Interleukin die Makrophagenfunktion hemmt und auf diese Art und Weise überschießende Entzündungsreaktionen verhindert. Durch diese Wirkung ergeben sich auch mögliche therapeutische Anwendungen bei rheumatoider Arthritis, bei entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, bei Organ-Transplantationen oder chronischen Hepatitis-C-Infekten - allerdings derzeit (Stand: 2012) noch nicht mit einheitlichen Resultaten. Während in einigen Studien positive Effekte berichtet wurden (u.a. bei entzündlichen und bestimmten Autoimmunerkrankungen), wurde beispielsweise bei der allergisch bedingten Encephalomyelitis eine Verschlechterung der Symptome während einer IL-10-Therapie beobachtet.

Ähnlich uneinheitlich ist derzeit noch die Lage bei Tumorerkrankungen, bei denen der Therapieerfolg stark davon abhängt, welcher Tumor und welches Tiermodell im Einzelfall gewählt wurde.

Mehr zu den extrem komplexen Funktionen und Therapiemöglichkeiten mit IL-10 finden Sie in diesem englischen Übersichtsartikel: "Interleukin-10 Therapy - Review of a New Approach".

1)TGF: Tumor-Growth-Faktor
2)IgA: Immunglobulin A
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