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Interleukine

Interleukin-6: anti- und pro-inflammatorische Wirkung

Mouse
Abb.1
Humanes Interleukin-6

(PDB-Code: 1ALU).

Interleukin-6 (IL-6) wird auch Interferon-β2 (INFβ2), B-Zellen stimulierender Faktor 2 (BSF-2), Hybridoma/Plasmacytoma-Wachstumsfaktor (HPGF oder IL-HP1), Hepatocyten-stimulierender Faktor (HSF), Monocyten-Granulocyten-Induktor Typ 2 (MGI-2) cytotoxischer T-Zell-Differenzierungsfaktor oder Thrombopoietin genannt.

IL-6 wird sowohl von T-Zellen und B-Zellen als auch von nicht-lymphoiden Zellen wie Makrophagen, Knochenmarkstromazellen, Fibroblasten, Keratinocyten, Astrocyten, Mesangium-Zellen und Endothelzellen gebildet.

Dieses Interleukin reguliert die Aktivität von T- und B-Zellen als Antwort auf ein Trauma, beispielsweise bei einer Verbrennung oder bei anderen Gewebeverletzungen, die zu einer Infektion führen. Dabei wirkt IL-6 einerseits pro-inflammatorisch, indem es die Akute-Phase-Antwort, Entzündungen und Fieber auslöst sowie die Ausschüttung von IL-10 fördert. Auf der anderen Seite wirkt IL-6 auch anti-inflammatorisch, indem es die Bildung von TNF-α stimuliert und die Bildung von Interleukin-1 herunterreguliert.

Da IL-6 ein äußerst starker Aktivator der Immunantwort nach einer Infektion ist, wird die Aktivität dieses Cytokins im Organismus streng kontrolliert. Das bedeutet, unter normalen Bedingungen wird das Gen für IL-6 kaum exprimiert und zahlreiche Transkriptionsfaktoren sorgen für eine sehr gezielte Transkriptionsregulation dieses Gens. Eine chronische Erhöhung von IL-6 führt zu negativen Effekten im Körper, die sich besonders auf autoimmune und auf chronisch-entzündliche Prozesse auswirken.

IL-6 spielt bei der Entstehung und dem weiteren Verlauf zahlreicher Krankheiten eine Rolle, u.a. bei Diabetes, Arteriosklerose, Alzheimer, systemischem Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis und bei Krebserkrankungen. Patienten mit fortgeschrittenen oder metastasierenden Tumoren zeigen erhöhte IL-6-Spiegel im Blut. Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) sind die IL-6-Spiegel oft erheblich erhöht, was u.a. diagnostisch genutzt wird, um eine Sepsis zu erkennen.

Die Rolle von IL-6 bei sportlicher Betätigung

IL-6 wir gelegentlich auch als Myokin bezeichnet. Dieser Begriff bezieht sich darauf, dass dieses Cytokin auch von Muskelzellen als Antwort auf eine Beanspruchung dieses Muskels bei einer Muskelkontraktion produziert wird. Während intensiver sportlicher Betätigung steigt die IL-6-Konzentration im Blut um das Hundertfache an und sorgt damit, ähnlich wie ein Hormon, für eine Mobilisierung der Energiereserven im Körper (siehe auch: "Sport gegen "Zucker""). Die IL-6-Spiegel bleiben nach der sportlichen Betätigung noch für einige Stunden erhöht, so dass eine längerfristigen Wirkung dieses Interleukins auf den Energiemetabolismus des Körpers besteht. Dieser Effekt von IL-6 beruht vermutlich darauf, dass IL-6 die Insulin-Produktion der Bauchspeicheldrüse stimuliert und der Blutzuckerspiegel nachhaltig gesenkt wird. So trägt IL-6 indirekt auch zur Behandlung von Diabetes bei (siehe auch: "Warum hilft Sport bei Diabetes?").

Virales IL-6: wie Viren Tumore fördern können

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