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Interleukine

Interleukine und ihre Aufgaben

In den ersten Jahren nach der Entdeckung dieser Klasse von Cytokinen galten die Interleukine als Botenstoffe, die nur von weißen Blutkörperchen (Leukocyten) synthetisiert werden.

Interleukine (abgekürzt mit IL) werden jedoch, wie man heute weiß, auch von anderen Zellen gebildet und wirken auf sehr viel mehr Zellen als nur die Leukocyten. Diese Glycoproteine werden ähnlich wie andere Cytokine von Zellen als Signal an benachbarte Zellen ausgeschüttet.

Wie oft in der Entdeckung von Botenstoffen existierte am Anfang der Interleukin-Forschung eine verwirrende Vielfalt unterschiedlicher Bezeichnungen, mitunter auch für ein und dasselbe Protein, wenn dieses zeitgleich von verschiedenen Forschergruppen isoliert wurde. Auf einer internationalen Konferenz in London einigten sich die Wissenschaftler 1979 auf eine einheitliche Nomenklatur mit angehängter Zahl (Dinarello und Moldawer 2002, S. 3). Mittlerweile sind 37 Interleukine in der Fachliteratur beschrieben (Stand: 2012).

Im Bezug auf ihre Wirkungsweise sind Interleukine extrem vielfältig. Einige Interleukine wie IL-1 können Entzündungen auslösen oder verstärken (pro-inflammatorische Interleukine), während andere Interleukine wie beispielsweise IL-10 oder IL-4 den gegenteiligen Effekt haben und Entzündungen abschwächen oder beenden (anti-inflammatorische Interleukine). Wieder andere Interleukine wie IL-6 wirken sowohl pro-inflammatorisch als auch anti-inflammatorisch.

Bestimme Interleukine, wie IL-1β und IL-6, vermitteln gemeinsam mit dem Tumor-Nekrose-Faktor-α auch systemische Wirkungen. Hierzu zählen z.B. das Auslösen von Fieber oder eine allgemeine Steigerung der Durchblutung und der Permeabilität der Gefäßwände. Wenn es bei einer Blutvergiftung zum Kreislaufversagen des Organismus kommt (septischer Schock), ist auch das ein Prozess, der auf die Interleukine zurückzuführen ist. Damit Immunzellen schnell zum Ort des Geschehens im Gewebe gelangen können, werden die Gefäßwände unter dem Einfluss dieser Cytokine weiter und sehr durchlässig. Lösliche und unlösliche Bestandteile des Blutes entweichen also teilweise ins Gewebe, bis der Blutkreislauf irgendwann zusammenbricht und lebenswichtige Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden können.

Da keine systematische Einteilung der Interleukine existiert - im Gegensatz zu den Rezeptoren, die sich anhand gewisser Charakteristika durchaus in Gruppen zusammenfassen lassen -, werden einige wichtige Interleukine auf den folgenden Seiten in nummerischer Reihenfolge kurz vorgestellt.

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