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Interferone

Die Anwendung von Interferonen in der Tumor-Therapie

Aufgrund von Mängeln bei der Durchführung der ersten klinischen Studien mit Interferonen ließ sich das therapeutische Potenzial der Interferone in der Tumor-Therapie lange nicht genau bestimmen. Aus heutiger Sicht lässt sich festhalten:

  • Interferone wirken vor allem bei Patienten mit geringer Tumorlast gut.
  • IFN-α und -β wirken nur bei bestimmten Krebserkrankungen, vor allem bei langsam wachsenden Tumoren.
  • Eine Interferon-Therapie ist besonders wirksam, wenn das Präparat kontinuierlich oder intermittierend1) in sehr hoher Dosis verabreicht wird.

Die Behandlung von HIV-Infekten mit Interferonen ergab keine signifikanten Erfolge. Positiv durch Interferon-α-2a bzw. -α-2b beeinflussen lässt sich aber der Krankheitsverlauf des Kaposi-Sarkoms, das sich oft bei HIV-positiven Patienten findet. Hierbei handelt es sich um eine Tumorerkrankung, die neben anderen Faktoren auf das Humane Herpes-Virus Typ 8 (HHV-8) zurückzuführen ist und sich in blau-bräunlichen Tumorherden auf der Haut äußert. Bei allen Tumorerkrankungen ist die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) ein wichtiger Punkt. Wenn das Tumorgewebe mehr und mehr wächst, müssen neue Blutgefäße gebildet werden, da das Gewebe sonst nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann. Die Angiogenese lässt sich aufgrund der anti-angiogenetischen Wirkung dieser Interferone beim Kaposi-Sarkom effektiv unterbinden.

Eine IFN-α-Therapie ist auch bei einer seltenen Form der B-Zellen-Leukämie moderat erfolgreich (hairy cell leucemia oder HCL2)). Bei dieser Erkrankung wandern aufgrund ihrer fransenartigen Cytoplasma-Fortsätze "haarig" aussehende B-Lymphocyten in die Milz und das Knochenmark ein. Andere Therapien, z.B. mit Purin-Analoga oder eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern gegen die entarteten B-Zellen, sind jedoch wirkungsvoller als eine Therapie mit Interferon-α.

Bei chronisch-myelogener Leukämie (CML) verlangsamt eine IFN-α-Therapie den Fortgang der Erkrankung. Bei dieser bösartigen Erkrankung wachsen die entarteten Leukämiezellen zunächst für 2-4 Jahre relativ langsam. Auf diese chronische Phase folgt aber eine Phase mit rapider Proliferation (blast crisis), die schnell zum Tod führen kann. Die chronische Phase lässt sich mit Interferonen verlängern.

Etwas weniger erfolgversprechend ist die Interferon-Therapie von non-Hodgkin-Lymphomen, T-Zell-Lymphomen der Haut, Nierenzelltumoren, Myelomen oder beim bösartigen Hautkrebs (malignes Melanom).

1)intermittieren: lat. intermittere "aussetzen", "unterbrechen".
2)HCL zählt zu den B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen.
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