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Interferone

Die medizinische Anwendung der Interferone

Interferone bilden im Körper eine äußerst erfolgreiche Verteidigungslinie gegen Viruserkrankungen aller Art. Vor allem diese starke antivirale Aktivität der Interferone war neben der möglichen Wirkung gegen Tumorzellen der Grund, warum diese Cytokine lange als eine Art Wundermittel galten. Kurz nach der Entdeckung der Interferone in den frühen 1970er Jahren lag eine mögliche Anwendung allerdings noch in weiter Ferne, denn die Menge an Interferonen, die sich aus dem Kulturüberstand Virus-infizierter Zellen isolieren ließ, war sehr gering. Erst mit den rekombinanten DNA-Technologien der 1980er Jahre konnten die ersten Interferon-Gene (zunächst IFN-α-2) kloniert und Interferon in so großen Mengen hergestellt werden, so dass sich klinische Untersuchungen durchführen ließen.

Die ersten klinischen Studien mit Interferonen wiesen allerdings erhebliche qualitative Mängel auf. Die vereinzelt durchgeführten Studien waren nicht doppelblind, so dass sich der therapeutische Erfolg der Interferone nicht eindeutig belegen ließ. Erst in späteren randomisiert-kontrollierten Studien wurde klar, dass in den meisten Fällen die Verwendung von Interferon als einzigem Medikament bei Tumorerkrankungen wenig Erfolg brachte. Es dauerte noch einige Jahre, bevor das therapeutische Potenzial der Interferone realistisch eingeschätzt werden konnte.

Die Erfolge einer Interferon-Therapie sind in vielen Fällen eher Therapie-unterstützend und auf wenige Anwendungsgebiete beschränkt. Interferon-Therapien bergen auch gewisse Risiken oder unterliegen Beschränkungen, da hier möglicherweise Autoimmunerkrankungen gefördert werden, wenn die Expression von MHC-Antigenen auf den Immunzellen durch die Interferone stimuliert wird oder wenn das Immunsystem durch die Interferon-Therapie generell supprimiert1) ist.

Gerade bei der Verwendung rekombinant hergestellter Interferone werden Resistenzen beobachtet, die auf einer Produktion von Antikörpern gegen diese rekombinanten Interferone beruht.

Was Virus-befallene Zellen und Tumorzellen gemeinsam haben

Interferone wirken im Körper nicht nur gegen Viren, sondern auch gegen bestimmte Tumorerkrankungen. Die antiproliferative Aktivität der Interferone ist möglicherweise die ursprüngliche Funktion dieser Proteine. Sie sollten Störungen im Zellgeschehen erkennen und die Proteinsynthese dieser veränderten Zellen anhalten können. Auch ein Virus bewirkt letzten Endes eine Art Störung des normalen Zellzyklus. Da sich Viren im Gegensatz zu Tumorzellen extrem schnell vermehren und im Organismus ausbreiten können, fällt der antivirale Effekt der Interferone eher auf als der antiproliferative Effekt - Tumorzellen wachsen im Vergleich sehr viel langsamer.

1)Immunsuppression: Die Unterdrückung immunologischer Reaktionen.
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