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Wenn's die Leber aushält - Resveratrol-Forschung und ihre praktische Anwendung

Ein schönes Beispiel, zu welch' skurilen Schlussfolgerungen die Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen auf den Menschen führen kann, liefert eine Studie aus dem Jahr 2006.

Joseph Baur und seine Mitarbeiter publizierten eine viel beachtete Resveratrol-Studie in Nature. Ihren Ergebnissen zufolge verringerten sich die Auswirkungen einer kalorienreichen, zu Übergewicht führenden Ernährung erheblich, wenn gleichzeitig Resveratrol der Nahrung zugefügt wurde - zumindest bei Mäusen. Der von vielen vorschnell ins Feld geführte Erklärungsversuch, dies könne eventuell eine Ursache für das so genannte "French Paradoxon" sein, führt jedoch zu mehr als merkwürdigen Rückschlüssen.

Abb.1
Rotwein

Das "French Paradoxon" beschreibt die positiven gesundheitlichen Auswirkungen einer auch Mittelmeerdiät genannten Ernährungsweise mit viel Gemüse, viel pflanzlichen Ölen und viel Rotwein, vorzugsweise als Hauptmahlzeit zu später Stunde. Diese allen modernen Ernährungsratschlägen widersprechende Lebensweise wirkt sich nachweislich, scheinbar paradoxerweise, sehr günstig auf die Herz-Kreislauf-Funktionen und den allgemeinen Gesundheitszustand aus. Die Hypothese, das mit dem Rotwein konsumierte Resveratrol könne die vermutet schädlichen Wirkungen großer Kalorienmengen ausgleichen, hat jedoch einen Haken: Die von Baur bei seinen Tierversuchen verwendeten Mengen isolierten Resveratrols entsprächen einer Menge, die nur durch den zweifelhaften "Genuss" von mehreren Dutzend Flaschen Rotwein zu erreichen wären - und zwar täglich!

Literatur

Baur, J. A. (2006): Resveratrol improves health and survival of mice on a high-calorie diet.. In: Nature. 444 , 337-342