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Antioxidatives Schutzsystem

Die Versorgung mit sekundären Pflanzeninhaltsstoffen

Antioxidative sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind für die Funktion des antioxidativen Schutzsystems nicht notwendig. Sie können die Effektivität des Systems jedoch auf verschiedene Weise unterstützen:

  • In der Nahrung und im Darm können sie Radikale und reaktive Sauerstoff-Verbindungen abfangen, noch bevor diese in den Körper eindringen und Schaden anrichten.
  • Die Bindung von Schwermetallen verhindert eine Bildung freier Sauerstoff-Radikale.
  • Im Körper können sie freie Radikale und reaktive Sauerstoff-Verbindungen abfangen und eine zeitlang stabilisieren, bis sie von antioxidativen Schutzsystem entsorgt werden.
Abb.1
Vorbildliche Tagesration mit sieben Sorten Obst und Gemüse

Das noch immer lückenhafte Wissen über sekundäre Pflanzenstoffe und die Vielzahl der verschiedenen Substanzen machen es unsinnig, einzelne Lebensmittel für den Verzehr zu empfehlen. Eine einseitige Ernährung ist stets eine ungesunde Ernährung. Je mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte in variabler Zusammenstellung konsumiert werden, desto besser ergänzen sich die vielen gesundheitsförderlichen Aspekte der einzelnen Stoffgruppen. Das reichhaltige Angebot verschiedenster Lebensmittel macht es möglich, sich seine Lieblingslebensmittel herauszusuchen und trotzdem gut mit sekundären Pflanzenstoffen versorgt zu sein. Nur abwechslungsreich sollte es sein!

Rotwein-, Lycopin- oder OPC1)-Kapseln sind inzwischen auf dem Markt erhältlich. Der Nutzen, den Körper mit diesen Einzelstoffen zu überschwemmen, ist fraglich. Er ergibt sich erst dann, wenn man gezielt diverse Kapseln mit Inhalten einnimmt, die sich ergänzen. Diesem Tabletten-obsessiven Verhalten ist jedoch eine natürliche Grenze gesetzt und mit einem verantwortungsvollen, bewussten und genussorientierten Umgang mit natürlichen Nahrungsmitteln nicht vereinbar.

Lycopin und Resveratrol

Abb.2
Tomaten

Der mit β-Carotin verwandte Tomatenfarbstoff Lycopin ist ein sehr wirkungsvolles Antioxidans. Es gibt zahlreiche Studien über die positiven Auswirkungen einer Lycopin-reichen Ernährung, z.B. in Bezug auf eine Schutzwirkung vor Prostatakrebs. Erste Lycopin-angereicherte Tomatensorten und Produkte mit isoliertem Lycopin sind bereits auf dem Markt erhältlich. Aussagekräftige, kontrollierte Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen derartiger Produkte sind zur Zeit noch spärlich. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Lycopin nur in Kombination mit einem leistungsstarken antioxidativen Schutzsystem sein volles Potenzial als Antioxidans und Radikalfänger ausspielen kann. Negative Auswirkungen, wie sie z.B. bei der "Finnischen Raucherstudie" mit β-Carotin beobachtet wurden, sind nicht auszuschließen.

Mit einiger Sicherheit kann man jedoch sagen, dass die Zufuhr von "normalen" Mengen Lycopin mit der Nahrung unproblematisch ist. Lebensmitteltechnische Studien haben gezeigt, dass verarbeitete Tomatenprodukte erheblich mehr verwehrtbares Lycopin enthalten als frische Tomaten. Wie beim β-Carotin ist etwas begleitendes Fett notwendig, um das lipophile Antioxidans in den Körper aufzunehmen.

Tab.1
Lycopin-Gehalt ausgewählter Lebensmittel
LebensmittelLycopin-Gehalt
reife Tomaten3,9-5,6 mg/100 g
Dosentomaten10 mg/100 g
Tomatenmark (Konzentrat)62 mg/100 g

Resveratrol ist derzeit der Star unter den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit antioxidativem Potenzial. Dementsprechend wird bereits versucht, den Stoff isoliert zu testen und als Nahrungsergänzungsmittel anzubieten. Auch hier kann man kritisch anmerken, dass Resveratrol wahrscheinlich nur im Zusammenspiel mit anderen Pflanzeninhaltsstoffen und insbesondere in Kombination mit dem antioxidativen Schutzsystem effektiv der Gesundheit nutzen wird. Der Nutzen einer Zufuhr hoher Mengen des isolierten Einzelstoffs wird von Ernährungsexperten bezweifelt.

Tab.2
Resveratrol-Gehalt ausgewählter Lebens- und Genussmittel
Lebensmittel / GenussmittelResveratrol-Gehalt
weißer Traubensaftmax. 200 μg/L
roter Traubensaftmax. 1100 μg/L
Rotwein100-15.000 μg/L

Wenn's die Leber aushält - Resveratrol-Forschung und ihre praktische Anwendung

1)OPC: oligomere Proanthocyanidine
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