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Antioxidatives Schutzsystem

Empfehlungen zur Unterstützung und Stärkung des antioxidativen Schutzsystems

Das antioxidative Schutzsystem ist eines der wichtigsten lebenserhaltenden Systeme des Organismus. Da bereits die Zahl der im Körper gebildeten Radikale und reaktiven Sauerstoff-Verbindungen die Zahl der zur Verfügung stehenden Radikalfänger und Antioxidanzien um ein Vielfaches übersteigt, ist es als ein sich selbst recycelndes System angelegt. Der tägliche Bedarf seiner Bestandteile ergibt sich aus diversen Verlusten, die z.B. durch die Bildung nicht recycelbarer Radikal-Addukte oder den Ersatz toten Gewebes durch neu gebildete Zellen entstehen. Auch bei optimaler Versorgung können nicht essenzielle Bestandteile und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieses Systems leisten.

Die Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen

Die effektive Arbeit des antioxidativen Schutzsystems ist maßgeblich von der Zufuhr seiner essenziellen Bestandteile abhängig. Die Vitamine E und C, der Mineralstoff Zink und die Spurenelemente Kupfer, Mangan und Selen sind Teile eines komplexen, ineinandergreifenden Mechanismus', an dessen Ende die Entsorgung von Radikalen oder reaktiver Sauerstoff-Verbindungen steht. Fehlt nur ein einziges Element, so stoppt die Entsorgungsmaschinerie. Die beteiligten Antioxidanzien können dann nicht recycelt werden und bleiben auf ihren eingefangenen Radikalen sitzen. Damit steigt die Gefahr, dass diese mit Radikalen belasteten Antioxidanzien sich im Körper ansammeln und irgendwann Schaden anrichten.

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Abb.1
Vereinfachtes mechanisches Modell des antioxidativen Schutzsystems
© Wiley-VCH

Die Animation zeigt einen vereinfachten idealisierten Transport eines Radikals von seiner Entstehung im lipophilen Millieu einer Zellmembran bis zur "Entsorgung" mittels NADP/NADPH + H+ in einem hydrophilen Bereich der Zelle. Um die Auswirkung eines mangelhaften Versorgungsstatus zu veranschaulichen, wird symbolisch ein Vitamin C-Mangel dargestellt. Ein Abbruch der Reaktionsfolge kann aber auch durch einen Mangel an Vitamin E erreicht werden.

Es ist fragwürdig, warum so viele Studien mit der Zufuhr isolierter Einzelsubstanzen durchgeführt werden, ohne den Gesamtstatus des antioxidativen Schutzsystems im Auge zu behalten. "Raucher-Radikale" auf β-Carotin zu speichern, ohne sich um deren körpereigenes Recycling oder ihre Entsorgung zu kümmern, löst das Problem der ernormen Radikal-Belastung durch das Rauchen nicht. Vor diesem Hintergrund erscheint es weniger "mysteriös", dass die so genannte Finnische Raucherstudie und anderen Untersuchungen zu Antoxidanzien nicht den erhofften Erfolg gebracht haben. Studien über die Einnahme erhöhter Selen-Mengen zur Verringerung des Risikos an Prostatakrebs zu erkranken zeigten nur dort ein eindeutig positives Ergebnis, wo der Selen-Spiegel zu Beginn der Studie erniedrigt war1).

Die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr an essenziellen Stoffen orientieren sich am ermittelten tatsächlichen Mindestbedarf des Körpers und werden mit einem Sicherheitsfaktor multipliziert. Dieser Sicherheitsfaktor berücksichtigt individuelle Unterschiede und einen gewissen präventiven Zuschlag. Eine exakte Berechnung der täglichen Zufuhrempfehlung ist von Stoffwechsel-Grundumsatz, Alter, Körpergewicht, Kalorienzufuhr und einem Faktor für die körperliche Aktivität (physical activity level, PAL) abhängig. In der Regel sind die standardisierten Empfehlungen jedoch als Richtwert ausreichend.

Tab.1
Essenzielle Bestandteile des antioxidativen Schutzsystems
NameTagesbedarf *
Vitamin E (Tocopherol) 11-15 mg-Äquivalent
Vitamin C (Ascorbinsäure) 100 mg
Selen30-70 μg
Zink7,0-10,0 mg
Kupfer1,0-1,5 mg
Mangan2,0-5,0 mg

*: Empfohlene Tageszufuhr gemäß den Referenzwerttabellen der DGE2) (2000) für einen Erwachsenen.

1 mg (R,R,R)-α-Tocopherol = 1 mg (R,R,R)-α-Tocopherol-Äquivalent = 1,49 mg IE3)

1 IE4) = 0,67 mg (R,R,R)-α-Tocopherol = 1 mg all-rac-α-Tocopherylacetat

Unter normalen Bedingungen sollte die Einhaltung dieser Zufuhrempfehlungen ein effektives Funktionieren des antioxidativen Schutzsystems gewähleisten.

Auch eine Erhöhung der empfohlenen Zufuhr essenzieller antioxidativer Biomoleküle wie β-Carotin und Vitamin K ist unter normalen Bedingungen nicht notwendig. Das Zusammenspiel mit dem antioxidativen Schutzsystem sollte ihr Recycling nach dem Abfangen von Radikalen ermöglichen.

Tab.2
Essenzielle antioxidative Biomoleküle
NameTagesbedarf *
β-Carotin 0,8-1,1 mg-Äquivalent
Vitamin K 65-80 μg

*: Empfohlene Tageszufuhr gemäß den Referenzwerttabellen der DGE5) (2000) für einen Erwachsenen.

1 mg Retinol-Äquivalent = 6 mg all-trans-β-Carotin = 12 mg anderer Provitamin A-Carotinoide

Abb.2
Pillen sind i.d.R. nicht nötig

Die Eigensynthese der Ubichinone macht eine gezielte Zufuhr von Coenzym Q10 unnötig. Allerdings nimmt etwa ab dem 40. Lebensjahr die Biosyntheserate allmählich ab, so dass insbesondere für sportlich aktive Menschen eine moderat erhöhte Zufuhr über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein kann.

Tab.3
Nicht-essenzielle antioxidative Biomoleküle und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe
Namegeschätzter Tagesbedarf
Coenzym Q10 30-200 mg
1)Artikel der ÄrzteZeitung 2012: "Selen könnte vor Prostatakrebs schützen" (Vergleich der SELECT- und der NPCStudie)
2)DGE: Deutsche Gesellschaft für Ernährung
3)IE: Internationale Einheit
4)IE: Internationale Einheit
5)DGE: Deutsche Gesellschaft für Ernährung
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