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Antioxidatives Schutzsystem

Entzündungen: hausgemacher Krebs durch oxidativen Stress?

Chronische Entzündungen sind in vielen Fällen an der Enstehung von Krebs beteiligt. Fachleute schätzen, dass etwa 20 % aller Krebserkrankungen mit Entzündungen in Zusammenhang stehen. Je nach betroffenem Organ können die Auslöser der Entzündung völlig verschieden sein.

Kurzfristiger oxidativer Stress wird von den Zellen nicht nur toleriert, in vielen Fällen hat er einen praktischen Nutzen. So werden z.B. von bestimmten Zellen des Immunsystems Radikale abgegeben, um eingedrungene Mikroorganismen zu töten. Zellen sind jedoch nur kurzzeitig in der Lage, diesen oxidativen Stress mit dem zelleigenen antioxidativen Schutzsystem abzufangen.

Tab.1
Entzündliche Erkrankungen und mögliche Folgen
ErkrankungVerursacherMögliche Folge
entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) Autoimmunerkrankung Darmkrebs
Entzündungen der Leber (Hepatitis)Hepatitis-Viren B und C, AlkoholkonsumLeberkrebs
MagenreizungenBakterien wie Helicobacter pyloriMagenkrebs
Reizung der BronchienUmweltfaktoren (Asbest)Lungen-, Rippen-, Bauchfellkrebs
Reizung der SpeiseröhreReflux-Erkrankungen wie SodbrennenSpeiseröhrenkrebs
Entzündung der BauchspeicheldrüseRauchen, Alkohol, erbliche FaktorenKrebs der Bauchspeicheldrüse

Chronische Entzündungen und der oxidative burst

Was ist so gefährlich an einer chronischen Entzündung? Bei einer chronischen Entzündung signalsiert der Körper permanent eingedrungene Fremdkeime. Entzündungsbotenstoffe (u.a. Cytokine) werden hier ausgeschüttet, die verstärkt Makrophagen und andere Immunzellen an den Ort der Entzündung rufen. Die Folge ist der oxidative burst, also eine explosionsartige Freisetzung von Radikalen und anderen reaktiven Sauerstoff-Spezies aus diesen Immunzellen, um die potenziell gefährlichen Fremdkeime abzutöten - an der Infektionsstelle herrscht oxidativer Stress.

Im Normalfall ist diese Reaktion zeitlich beschränkt, so dass die kurzfristig im Gewebe auftretenden Schäden nach dem Abklingen der Immunreaktion repariert werden können. Je länger eine Entzündung und der damit verbundene oxidative Stress andauert, desto mehr wird auch körpereigenes Gewebe geschädigt. Radikale greifen die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Membranen der Gewebezellen an (Lipid-Peroxidation). Dabei entstehen weitere reaktive Moleküle, die zusammen mit den Radikalen die DNA attackieren, Mutationen verusachen oder mögliche Krebsgene aktivieren können. Das Zellwachstum - und damit auch die Tumorentstehung - wird gefördert.

Therapeutische Ansätze

Eine Pilotstudie innerhalb der großen europäischen Ernährungsstudie EPIC1) hat gezeigt, dass eine Vitamin E- und C-reiche Kost DNA-Schäden in Lymphocyten verringert.

Zusatzinfos

Sowohl bei der Akuten als auch bei der Chronischen Myeloischen Leukämie führt die vermehrte Produktion reaktiver Sauerstoffspezies in den Tumorzellen zu einem Fortschreiten der Erkrankung.

DocCheck News vom 27.04.2012 - Link zum Artikel
1)EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
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