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Antioxidatives Schutzsystem

Alzheimer

Die Alzheimer-Erkrankung ist nach dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer benannt, der Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals die typischen krankhaften Gewebeveränderungen im Gehirn beschrieb.

Bei dieser Demenz-Erkrankung treten neben diversen neurologischen Auffälligkeiten insbesondere Verhaltensveränderungen, eine Verringerung der Gedächtnisleistung und ein voranschreitender Verlust kognitiver Fähigkeiten auf.

Bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit finden sich im Gehirn typische Proteinablagerungen, die so genannten Amyloid-Plaques, die auch als senile Plaques bezeichnet werden. Sie bestehen aus dem Protein β-Amyloid, das sich bei Alzheimer-Patienten in großen Mengen zusammenlagert und an Blutgefäßen und Neuronen des Gehirns absetzt. Diese Ablagerungen führen schließlich zum Absterben von Neuronen und rufen die Demenz-Symptome hervor.

Alzheimer und oxidativer Stress

Gemäß der Freien Radikal-Theorie des Alterns vermuten Wissenschaftler, dass die durch Radikale und ROS1) bedingten Alterungsvorgänge jene Schäden, die durch die Alzheimer-typischen β-Amyloid-Ablagerungen entstanden sind, noch verstärken. Auch hier scheinen vor allem Schäden an Mitochondrien den Krankheitsprozess zu beschleunigen.

Bei einem Zusammenbruch des Membranpotenzials in Mitochondrien - z.B. wenn Lipide und Membranproteine massiv durch Radikale und ROS geschädigt sind - wird Cytochrom c aus dem Mitochondrium freigesetzt, so dass in der Zelle der programmierte Zelltod (Apoptose) ausgelöst wird. Als Folge sterben im Gehirn allmählich immer mehr Zellen. Was die toxische Wirkung des β-Amyloid-Proteins auf Gehirnzellen selbst angeht, scheinen auch hier Radikale eine wichtige Rolle zu spielen. Je höher der oxidative Stress in den betroffenen Zellen, desto drastischer sind die Auswirkungen des toxischen β-Amyloid-Proteins.

Alzheimer-Therapien mit antioxidativen Molekülen

Folsäure-, Vitamin E-, und Vitamin C-Mängel scheinen bei Alzheimer-Patienten häufiger aufzutreten als in gesunden Kontrollgruppen. Das legt den Schluss nahe, dass mit einer Vitamin-Therapie Erfolge erzielt werden könnten. Die wissenschaftlichen Studien ergeben allerdings bis heute kein einheitliches Bild.

Nachdem der Zusammenhang mit oxidativem Stress deutlich wurde, galt Vitamin E lange als geeigneter Kandidat zur Prävention der Alzheimer-Demenz. Mehrjährige Versuche mit einer Tocopherol-angereicherten Ernährung (600 IE2) Vitamin E) an mehr als 6.000 Frauen im Alter über 65 Jahre konnten jedoch das Nachlassen kognitiver Leistungen weder verhindern noch die Leistung verbessern. Nicht wissenschaftlich gesicherten Angaben zufolge soll mit 2.000 IE pro Tag allerdings ein gewisser Effekt zu verzeichnen sein.

Auch Kurkuma, ein südasiatisches Ingwer-Gewächs, wird als möglicher Therapiezusatz bei Alzheimer getestet. Kurkuma enthält u.a. das als Lebensmittelfarbstoff zugelassene Curcumin (E 100). Versuche an Ratten hatten gezeigt, dass durch Gabe von Kurkuma sowohl die Amyloid-Plaques im Rattenhirn selbst abnahmen wie auch die durch diese Plaques verusachten Schäden. [Um das wasserunlösliche Curcumin auch in der Krebstherapie einsetzen zu können, wurden 2007 erste erfolgreiche Versuche mit mikroverkapseltem Curcumin gestartet.]

Estrogene werden ebenfalls zur Prävention von Alzheimer eingesetzt. Diese haben aber lediglich einen gewissen präventiven Effekt. Sie wirken nicht mehr, wenn die Erkrankung bereits diagnostiziert werden kann. In einer Studie an 4.500 Frauen über 65, die ein Estrogen/Progesteron-Kombinationspräparat zur Prävention erhielten, nahm die Rate der Alzheimer-Erkrankung sogar zu. Bei diesen Frauen könnte allerdings schon eine nicht diagnostizierte Vorerkrankung bestanden haben. Es darf jedoch generell bezweifelt werden, ob sich Hormone der Estrogen-Gruppe als Antioxidanzien und Radikalfänger therapeutisch eignen.

Darüber hinaus exisitieren zahlreiche mehr oder weniger seriöse Publikationen zu Alzheimer-Therapien mit Ubichinon, α-Liponsäuren, Polyphenolen (aus Rotwein) und anderen antioxidativ wirkenden Molekülen, die ebenfalls zu wenig einheitlichen Ergebnissen führten.

1)ROS: reaktive Sauerstoff-Spezies
2)IE: internationale Einheiten
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