zum Directory-modus

Neuromodulierende Wirkstoffe

Modafinil - die Anti-Schlaf-Tablette

Modafinil

  • steigert die Aufmerksamkeit und
  • die Wachsamkeit (z.B. in Phasen mit wenig Schlaf).
Abb.1
Modafinil

Das Stimulans Modafinil (Handelsname Vigil®) wird vorwiegend zur Behandlung der Narkolepsie - der so genannten Schlummersucht, anderen Schlafstörungen und dem Schichtarbeiter-Syndrom eingesetzt, aber auch bei Patienten, die unter dem chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS1)), Depressionen oder ADHS leiden.

Bei gesunden Menschen soll es dazu beitragen, Schlafproblemen nach Langstreckenflügen (Jetlag) entgegen zu wirken oder die Menschen insgesamt wach zu halten. Die generelle Leistungsfähigkeit sinkt aber, wie neuere Studien zeigten. Für die Anwendung dieses Wirkstoffes gibt es zudem zahlreiche Gegenanzeigen, u.a. wenn Abhängigkeitserkrankungen vorliegen, bei gleichzeitiger Einnahme des Alphablocker Prazosin, bei Psychosen und Angstzuständen, oder bei Leber- oder Nierenschäden, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hirndoping mit Modafinil

Als Wachhalter und die Aufmerksamkeit steigernder Wirkstoff lässt sich Modafinil auch für Dopingzwecke verwenden. Das Walter Reed Army Institute of Research testete beispielsweise in einer Vergleichsstudie den Effekt von Coffein (600 mg) im Vergleich zu Modafinil (400 mg), Dextroamphetamin (20 mg) und einem Placebo auf die Wachsamkeit und Konzentrationsfähigkeit von Soldaten, die 45-50 Stunden lang nicht geschlafen hatten. Obwohl sich Modafinil im direkten Vergleich mit einer hohen Dosis Coffein nicht als grundsätzlich wirksamer erwies, schnitt die Modafinil-Gruppe bei bestimmten kognitiven Aufgaben deutlich besser ab als die anderen Gruppen. In einer Befragung von 428 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch Nature Online (Natur: Poll results) war Modafinil mit 40 % derjenigen Befragten, die leistungssteigernde Mittel gelegentlich zur Verbesserung der Konzentration, Aufmerksamkeit oder ihres Gedächtnisses nutzen, nach Methylphenidat (Ritalin®, 62 %) der beliebteste Wirkstoff für ein Hirndoping. In Deutschland ist Modafinil rezeptpflichtig und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz.

Inzwischen wird dieser Wirkstoff von vielen US-Psychiatern gern auch gesunden Menschen verschrieben, die Leistungsdefizite oder Aufmerksamkeitsstörungen berichten, ungeachtet dessen, dass Modafinil eine im Sport verbotene Substanz mit erheblichen Nebenwirkungen ist. Ein prominenter Fall für das Doping mit Modafinil ist die amerikanische Leichtathletin und Sprint-Weltmeisterin Kelli White, die 2003 für diese Substanz positiv getestet wurde. Im Jahr 2003 stand Modafinil zwar noch nicht explizit auf der Liste der verbotenen Einzelsubstanzen, gehörte aber als Stimulans auch damals schon einer verbotenen Wirkstoffgruppe an.

Nebenwirkungen von Modafinil

Modafinil hat zahlreiche Nebenwirkungen. Etwa ein Drittel aller Patienten berichteten von Kopfschmerzen, etwa ein Fünftel von einer Gewichtszunahme durch Modafinil. Weitere sehr häufige2, Nebenwirkungen waren Übelkeit, Depressionen und Schwindelgefühle. Häufig3) vorkommende Nebenwirkungen waren Herzrasen, Schlafstörungen, Unruhe, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Appetitanstieg, Blutdruckerhöhung, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit und Schwitzen.

Gesunde Menschen, die Modafinil zu Dopingzwecken anwenden, reagieren sehr unterschiedlich (und kaum vorhersehbar) auf diesen Wirkstoff - mal sind es Schlafstörungen, Magenprobleme oder Hungergefühle, mal Kopfschmerzen oder eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit. Modafinil soll auch u.U. lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen können.

Literatur

Killgore, W. D.; Kahn-Greene, E. T.; Grugle, N. L.; Killgore, D. B.; Balkin, T. J. (2009): Sustaining executive functions during sleep deprivation: A comparison of caffeine, dextroamphetamine, and modafinil. In: Walter Reed Army Institute of Research. 32 , 205-16

Zugang zur PubMed-Datenbank

1)CFS: chronic fatigue syndrome
2)mehr als 10 % der Anwender
3)1-10 % der Anwender
Seite 26 von 32