zum Directory-modus

Neuromodulierende Wirkstoffe

ADHS-Medikamente: Ritalin

Methylphenidat (Ritalin)

  • hebt die Stimmung und
  • steigert die Gedächtnisleistung sowie
  • die kognitiven Fähigkeiten.
Abb.1
Methylphenidat

Ritalin: Methylphenidat-hydrochlorid

Methylphenidat (Ritalin®, Methylpheni®, Concerta®, Equasym®, Medikinet®) ist der bekannteste Wirkstoff zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom AD(H)S. Dieser Wirkstoff gehört wie die Neurotransmitter Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin zu den Phenylethylaminen - zu denen auch Amphetamine und Ecstasy und eine Reihe anderer Drogen zählen. Methylphenidat und Amphetamin sind zwar im Gegensatz zu Cocain als verschreibungspflichtige Medikamente zugelassen, weil sie einen gewissen medizinischen Nutzen haben, bergen aber trotzdem ein erhebliches Suchtpotenzial. Während Methylphenidat auf Kinder mit ADHS beruhigend wirkt, soll es die Stimmung, das Verhalten und die kognitiven Leistung gesunder Menschen positiv beeinflussen.

Das Wissenschaftsmagazin Nature hatte eine Online-Umfrage geschaltet, deren Ergebnisse im April 2008 veröffentlicht wurden (Nature: Poll results). Insgesamt nahmen 1428 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an dieser Umfrage teil. 20 % der Teilnehmer gaben an, gelegentlich bis regelmäßig zu solchen Neuroenhancern gegriffen zu haben, um ihre Konzentration, Aufmerksamkeit oder ihr Gedächtnis zu verbessern - und zwar in 62 % aller Fälle mit Ritalin. Kaum einer der Nutzer hatte sich zuvor über die Nebenwirkungen dieses Medikaments informiert.

Bei AD(H)S ist der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn beeinträchtigt - vermutlich wird dieser Neurotransmitter nach der Ausschüttung in den synaptischen Spalt zu schnell von Dopamin-Transportern wieder in die Zelle aufgenommen. Die Dopamin-Konzentration im synaptischen Spalt sinkt. Zu wenig Dopamin bindet an die Rezeptoren der Zielzelle, um das Signal weitergeben zu können. Methylphenidat wirkt im synaptischen Spalt, indem es an den Dopamin-Transporter auf der Dopamin-ausschüttenden Zelle bindet und den Rücktransport von Dopamin blockiert. Weiterhin bindet Methylphenidat an den D2-Rezeptor auf der Membran des nachgeschalteten Neurons.

Eine 2010 durchgeführte Studie zeigte, dass Methylphenidat bei Ratten Lernvorgänge beschleunigen kann. Der Wirkstoff bindet an zwei Varianten des Dopamin-Rezeptors, den D1- und den D2-Rezeptor. Während eine Bindung an den D2-Rezeptor die Konzentration fördert und sich positiv bei AD(H)S auswirkt, wird der die Lernleistung steigernde Effekt über Bindung an den D1-Rezeptor vermittelt. In dieser Studie wurde zudem gezeigt, dass Methylphenidat die Anzahl der Synapsen im Gehirn erhöht, was sich ebenfalls positiv auf die Gehirnleistung auswirkt (Apotheken-Umschau 2010).

Bei anderen, an Menschen durchgeführten Studien fiel der Effekt dieses Medikaments auf die Lernleistung hingegen deutlich geringer aus - kognitive Tests mit Methylphenidat zeigen einen nur geringen positiven Effekt auf die Performance, der kaum über dem Effekt des Placebos lag.

Nebenwirkungen

Die regelmäßige Einnahme von Methylphenidat ist mit erheblichen Nebenwirkungen assoziiert - sehr häufig1, genannte Beschwerden sind Nervosität, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit, häufig2) genannt wurden Bluthochdruck, Erbrechen, Gewichtsverlust, Muskel-Tics, Benommenheit, emotionale Labilität, Schläfrigkeit, Ängstlichkeit, Depression, Nervosität und Hautausschläge. Wenn Ritalin von Menschen mit Psychosen eingenommen wird, kann auch eine Verschlimmerung der Verhaltens- und Denkstörungen die Folge sein. Zudem besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Methylphenidat ist seit 1971 in Anlage 3 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) gelistet und unterliegt einer gesonderten Verschreibungspflicht.

Historisch am Rande ...

Literatur

Arria, A. M.; Wish, E. D. (2006): Nonmedical use of prescription stimulants among students.. In: Pediatr Ann.. 35 , 565-71

Literatur

Tye, K. M.; Tye, L. D.; Cone, J. J.; Hekkelman, E. F.; Janak, P. H.; Bonci, A. (2010): Methylphenidate facilitates learning-induced amygdala plasticity.. In: Nat. Neurosci.. Epub ahead of print

Zugang zur PubMed-Datenbank

1)mehr als 10 % aller Anwender
2)1-10 % der Anwender
Seite 25 von 32