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Exkurs: Der reversible MAO-Hemmer Harmalin

Ein anderer reversibler Hemmer der MAO ist Harmalin. Dieses Indol-Alkaloid aus der Steppenraute (Peganum harmala) u.a. Pflanzen hat eine eher psychotrope Wirkung, es erzeugt Träume ähnlich wie LSD. Harmalin ist in der Droge Ayahuasca enthalten. Ureinwohner im Nordwesten Südamerikas benutzten dieses bewusstseinserweiternde Gebräu schon seit vielen Generationen für religiöse und medizinische Zwecke.

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Abb.1
Harmalin
Abb.2
3D-Modell der Monoamin-Oxidase A

Komplex der menschlichen Monoamin-Oxidase A mit Harmin und dem Wasserstoff-Akzeptor FAD (gold, transparent; PDB-Code: 2Z5Y)

Ayahuasca wird aus der Lianenart Banisteriopsis caapi und Chakruna-Blättern (Psychotria viridis) hergestellt. Banisteriopsis caapi enthält Harmalin (reduziertes Harmin), ein Indol-Alkaloid, das die Ausschüttung der körpereigenen Monoamin-Oxidase (MAO) hemmt. Psychotria viridis liefert das eigentliche Rauschmittel, N,N-Dimethyltryptamin (DMT), das normalerweise von der MAO abgebaut wird. Durch die Hemmung der MAO kann das Rauschmittel durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen und seine halluzinogene Wirkung entfalten. Der Rausch verursacht neben stark angstauslösenden Visionen gelegentlich auch Nahtod-Erfahrungen, auf die auch der Name "Ayahuasca" hindeutet, was übersetzt soviel bedeutet wie "Liane der Geister" oder auch "Liane der Toten".

Die US-Firma International Plant Medicine IPMC sicherte sich 1986 die alleinigen Verwertungsrechte für Banisteriopsis caapi, nachdem sie die Wirkung dieser Pflanze gegen Krankheiten wie Krebs und Parkinson entdeckt hatten - ein typischer Fall von Biopiraterie. Im November 1999 wurde nach Protesten des Dachverbands der indigenen Völker des Amazonasgebietes COICA das Patent aufgehoben und Ayahuasca zum geistigen Eigentum des indigenen Volkes erklärt. Im Jahr 2001 trat das Patent zwar wieder in Kraft, wird aber völkerrechtlich nicht anerkannt.