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Neuromodulierende Wirkstoffe

Antidepressiva: MAO-Hemmer

MAO-Hemmer

  • wirken stimmungsaufhellend,
  • antriebssteigernd und
  • antidepressiv.

Reversibler MAO-Hemmer: Moclobemid

Abb.1
Moclobemid

Moclobemid (Aurorix®) ist der erste synthetische reversible Hemmstoff der Monoamin-Oxidase (MAO), einem Enzym, das Serotonin im Gehirn abbaut. Moclobemid wurde 1990 als Antidepressivum auf den Markt gebracht und hat deutlich weniger Nebenwirkungen als die irreversiblen MAO-Hemmer wie Tranylcypromin.

Durch eine Hemmung der MAO werden die Amine Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin langsamer abgebaut und stehen daher in relativ höheren Konzentrationen zur Verfügung. Die erhöhten Konzentrationen dieser Neurotransmitter soll eine stimmungsaufhellende, antriebssteigernde und antidepressive Wirkung haben. Im Gegensatz zu den älteren (irreversiblen) MAO-Hemmern ist bei einem reversiblen Hemmer wie Moclobemid keine spezielle Diät erforderlich. Moclobemid hemmt vorwiegend die MAO-A (80 % Hemmung der MAO-A und 20 % Hemmung der MAO-B bei einer Dosis von 300 mg pro Tag).

Nebenwirkungen von Moclobemid

Häufige Nebenwirkungen dieses Medikamentes, die bei bis zu 10 % aller Anwender auftreten, sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Übelkeit. Moclobemid sollte nicht mit anderen MAO-Hemmern und serotoninergen Substanzen (z.B. SSRIs1) oder Johanniskraut) gemeinsam eingenommen werden, da die Wechselwirkung unvorhersehbare und u.U. gefährliche Nebenwirkungen mit sich bringt. Auf keinen Fall darf Moclobemid mit anderen Antidepressiva kombiniert werden, da die Gefahr eines Serotonin-Syndroms besteht. Für Kinder, Jugendliche und Schwangere ist dieser Wirkstoff nicht zu empfehlen, da die Erfahrungen mit dem Medikament noch unzureichend sind.

Exkurs: Der reversible MAO-Hemmer Harmalin

Irreversibler MAO-Hemmer: Tranylcypromin

Abb.2
Keinen Rotwein bei Tranylcypromin-Behandlung

Tranylcypromin ((±)-trans-2-Phenylcyclopropylamin; Handelsname Jatrosom N®) ist ein irreversibler nicht-selektiver Hemmer der MAO-A (die Serotonin und Noradrenalin abbaut), der MAO-B (die Dopamin abbaut) und des Cytochrom-P450-2A6. Auch bei diesem Wirkstoff werden die körpereigenen Amine wie Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin usw. verlangsamt abgebaut. Das gilt aber auch für alle Amine, die aus der Nahrung stammen, so dass bei der Einnahme von Tranylcypromin bis 14 Tage nach Beendigung der Therapie eine spezielle Diät einzuhalten ist, um einem Anstieg der Tyramin-Konzentration im Körper vorzubeugen. Da Tranylcypromin die Abbauenzyme irreversibel hemmt, muss der Organismus die Enzyme zum Abbau der biogenen Amine erst wieder neu synthetisieren - und das benötigt Zeit.

Verzichtet werden sollte während einer Tranylcypromin-Therapie u.a. auf gereifte Käsesorten (u.a. Emmentaler, Bergkäse, Parmesan, Roquefort, Camembert), hart ausgereifte Salami, Salzhering, Kidneybohnen, Schokolade mit hohem Kakaoanteil, Sauerkraut, Walnüsse und Rotwein. In Kombination mit anderen Antidepressiva oder Sympathomimetika können zudem schwere Nebenwirkungen auftreten (Serotonin-Syndrom, Krampfanfälle und Blutdruckkrisen). Die Kombination von L-Tryptophan (Stimmungsaufheller und leichtes Schlafmittel) mit Tranylcypromin kann zu Verwirrtheit und zum Delirium führen.

Hinweis
Tyramin ist eine biogenes Amin wie auch Histidin, für das ebenfalls eine Nahrungsmittelunverträglichkeit mit ähnlichen Diätempfehlungen existiert.
1)SSRIs: selective serotonin re-uptake inhibitors
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