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Neuromodulierende Wirkstoffe

Problematische Aspekte des Neuroenhancements

Leistungssteigernd: Kaffee und Schokolade

Warum sollte die Leistungsfähigkeit des Gehirns nicht maximal ausgereizt werden, worin besteht der Unterschied zwischen Neuroenhancement und der gezielten Beeinflussung der Leistungsfähigkeit durch z.B. Kaffee, Tee oder Energy-Drinks? Während das "Doping" mit Coffein-haltigen Getränken in üblichen Mengen kaum Anlass zu Bedenken gibt (ab etwa 100 Tassen Filterkaffee kann allerdings auch Coffein tödlich wirken), geht der Trend heute in eine Richtung mit unvorhersehbaren Folgen.

Gesunde Menschen konsumieren Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Krankheiten entwickelt wurden und die ganz gezielt massiv in den Gehirnstoffwechsel eingreifen. Viele dieser Medikamente stammen aus der Therapie neuronaler Störungen wie z.B. dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (AD(H)S), der Alzheimer-Therapie oder der Behandlung von Depressionen, und die meisten dieser Medikamente haben erhebliche Nebenwirkungen.

Gehirndoping als Wundermittel?

Die Werbekampagnen der pharmazeutischen Industrie und der Lebensmittel-Industrie suggerieren, dass Hirndoping-Präparate und leistungssteigernde Nahrungsmittel in der Lage sind, die Intelligenz und die Gehirnkapazität weit über unsere normalen Fähigkeiten hinaus zu steigern. Das ist jedoch nicht der Fall - es ist eher wie bei einem Computer, der durch bestimmte Tuning-Programme zwar schneller und effektiver arbeitet, ohne dass jedoch die Qualität der Hardware in irgendeiner Weise verbessert worden wäre. In früher Kindheit werden neuronale Verschaltungen angelegt, die zwar im Laufe des Lebens einem gewissen Umbau unterliegen, aber nicht grundsätzlich verändert werden. Was Gehirndoping möglicherweise leistet ist lediglich, dass die Signalverarbeitung an diesen Schaltstellen optimal schnell vonstatten gehen kann. Aber das hat unter Umständen langfristige Konsequenzen für den Gehirnstoffwechsel und die Gesundheit allgemein.

In vielen Fällen ist nicht bekannt, wie diese zur Neuromodulation eingesetzten Medikamente bei Gesunden wirken, welche zusätzlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind und ob diese Wirkstoffe langfristig abhängig machen können. Viele Studien deuten darauf hin, dass die erwünschten leistungssteigernden Effekte nur kurzzeitig bzw. auch nicht bei allen Menschen eintreten und mitunter auch ins Gegenteil umschlagen können (rebound-Effekte). Durch die Erhöhung der Botenstoff-Konzentrationen im synaptischen Spalt, die viele dieser Medikamente bewirken, verändert sich möglicherweise auch die Menge an Rezeptoren für diese Transmitter im Gehirn - mit unvorhersehbaren Langzeitfolgen.

Ohne auf die komplexen ethischen Aspekte an dieser Stelle einzugehen, ob z.B. Hirndoping nur bestimmten Schichten in der Gesellschaft vorbehalten sein werden, da sich Geringverdiener diese teuren Medikamente kaum leisten können, bleibt doch die Frage, ob nicht der gesundheitliche Schaden längerfristig den Nutzen des Neuroenhancements bei Weitem übersteigt. Auch was den gewünschten Effekt angeht, bleiben Zweifel - in vielen Studien ließen sich keine signifikanten Leistungssteigerungen nachweisen, wohl aber, dass die Testpersonen ihre eigene Leistung nach einer Einnahme von Neuroenhancern subjektiv als deutlich besser einschätzten (DPA-News "«Hirn-Doping» wird oft überschätzt").

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