zum Directory-modus

Neuromodulierende Wirkstoffe

Hirndoping

Die Beeinflussung der sportlichen Leistung mit legalen oder illegalen Mitteln ist spätestens seit der Einführung von Dopingtests bei Sportlern ein Thema, das fast jeder kennt. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch Nicht-Sportler in den letzten Jahren immer öfter zu Medikamenten greifen, um in Tests und Prüfungen besser abzuschneiden oder länger konzentriert arbeiten zu können. Diese gezielte Beeinflussung der neuronalen Leistung wird als Hirndoping oder Neuroenhancement bezeichnet.

Definition
Während Hirndoping eher auf die temporäre Steigerung der Lern- oder Merkfähigkeit (z.B. in Prüfungssituationen) abzielt, ist der Begriff Neuroenhancement oder auch Cognitive Enhancement weiter gefasst und bezeichnet alle neuronalen Prozesse, die sich durch die Aufnahme bestimmter Stoffe gezielt verändern lassen - z.B. durch neuromodulierende Wirkstoffe, die Angstzustände reduzieren, in Stresssituationen beruhigend wirken, die Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit über Stunden erhalten (z.B. bei Chirurgen oder Piloten) oder das nervöse Zittern der Hände im Schießsport verhindern.

Umfragen zum Neuroenhancement

Bei Umfragen in den USA gaben etwa sieben Prozent der Studenten an, Hirndoping schon einmal praktiziert zu haben - unter Wissenschaftlern aller Altersklassen waren es sogar 20 %, die regelmäßig zur leistungssteigernden Pille greifen. In Deutschland haben 4 % der Schüler und Studenten schon einmal legale oder illegale Substanzen zu diesem Zweck eingenommen. Besonders beliebt ist Ritalin zur Steigerung der Konzentration (60 %), gefolgt von der Anti-Schlaf-Pille Modafinil und anderen Aufputschmitteln.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2009 nutzen 5 % aller Berufstätigen regelmäßig leistungssteigernde Medikamente bzw. Medikamente zur Verbesserung der Befindlichkeit, wobei Männer eher Präparate zur Leistungssteigerung verwenden und Frauen Medikamente gegen depressive Verstimmungen, Ängste und Nervosität bevorzugen. In den meisten Fällen lassen sich diese Medikamente ohne Rezept aus der Apotheke (über 44 %) oder von Freunden und Kollegen (fast 20 % aller Nennungen) beziehen, wobei der Anteil der aus Internetapotheken erworbenen Präparate (derzeit ca. 12 %) zu steigen scheint. Etwa die Hälfte aller Befragten ist der Meinung, dass durch die Einnahme dieser Präparate keine Risiko für die Gesundheit entsteht - vermutlich auch, weil sie noch nie den Beipackzettel dieser Präparate gelesen haben.

Literatur

(2009): Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten. Schwerpunktthema Doping am Arbeitsplatz. In: DAK Gesundheitsreport. IGES Institut GmbH
Middendorff, E.; Poskowsky, J.; Isserstedt, W. (2012): Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden. In: HIS: Forum Hochschule. HIS Hochschul-Informations-System GmbH (Hrsg.). 01
Abstract
HISBUS-Befragung zur Verbreitung und zu Mustern von Hirndoping und Medikamentenmissbrauch
Seite 3 von 32