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Neuromodulierende Wirkstoffe

Aufputschmittel

Aufputschmittel

  • wirken anregend auf den Organismus,
  • erhöhen die Aktivität der Nerven und
  • beschleunigen bzw. "verbessern" die Reizweiterleitung.

Aufputschmittel können z.B. legale Drogen (Khat, Coffein, Betelpräparate), verschreibungspflichtige Medikamente (GHB1) oder Liquid Ecstasy) oder illegale Drogen (Amphetamine, Ecstasy, Cocain) sein, die zur Steigerung der Wachsamkeit eingesetzt werden.

Bei regelmäßigem Konsum verursachen die meisten Aufputschmittel Abhängigkeiten. Häufig auftretende Nebenwirkungen sind z.B. Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit, aber auch eine starke Erregtheit, Aggressivität, Selbstüberschätzung, Schlaflosigkeit oder Halluzinationen.

Ein Beispiel: die Party- und Schlankmacherdroge Ephedrin

Abb.1

Ephedrin: R = CH3 Norephedrin: R = H

Ephedrin gehört zu den Aufputschmitteln, die als Appetitzügler und beliebte Partydroge schon lange genutzt werden. Dieses Phenylethylamin-Alkaloid wurde ursprünglich aus dem getrockneten Kraut von Ephedra-Pflanzen (z.B. Ephedra sinica) isoliert, das auch als Mormonentee, Meeresträubel oder Ma-Huang bekannt ist und weitere Derivate wie Norephedrin oder Pseudoephedrin ((1S)-Epimer des Ephedrin) enthält. Heute wird dieser Wirkstoff in Form von Ephedrin-sulfat oder Ephedrin-hydrochlorid synthetisch hergestellt. Das im Handel erhältliche Herbal XTC oder Herbal Energizer besteht aus einer Mischung aus Epheda-Extrakten mit anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen (z.B. Coffein, Vitamine). Ephedrin wird schnell in das Gehirn aufgenommen und wirkt ähnlich wie die Amphetamine, allerdings insgesamt mit etwas schwächerer Ausprägung.

Ephedrin erhöht für ca. acht Stunden die adrenerge Transmission und setzt Noradrenalin und Adrenalin frei. Es wirkt blutdrucksteigernd, herzstimulierend, bronchienerweiternd und appetithemmend. Viele Menschen vergleichen die Wirkung von Ephedrin mit der von Speed oder Ecstasy. Bei den Europameisterschaften 1994 in Helsinki wurde Ephedrin gleich bei einer ganzen Reihe von Leichathletik-Sportlern nachgewiesen - damals galt dieser Wirkstoff noch als "Stimulans", dessen Konsum lediglich mit einer dreimonatigen Sperre bestraft wurde (Link zu einem Artikel der Berliner Zeitung).

Aufgrund des subjektiven Eindrucks einer Leistungssteigerung wird Ephedrin auch zum Hirndoping eingesetzt, oft in Kombination mit Coffein oder Acetylsalicylsäure (so genannte E/C/A-Mischungen). Neben der appetitzügelnden Wirkung erhöht Ephedrin die Körpertemperatur und kurbelt die Freisetzung von Fettsäuren an. So verwundert es nicht, dass dieser Wirkstoff in der Fitness-Branche oft als effizienter "Fat-Burner" und Schlankmacher vermarktet wird - natürlich ohne auf die erheblichen Nebenwirkungen im Detail hinzuweisen.

Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen von Ephedrin sind Schweißausbrüche und Übelkeit, Nervosität, Zittern und Schlafprobleme; bei einer Überdosierung auch Herzrasen, Verwirrtheit, Verfolgungswahn und Halluzinationen bis hin zum Delirium. Neben physischen Problemen wie Bluthochdruck, Leber- und Nierenschäden zählen auch psychische Veränderungen wie die Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung und der Konzentrationsfähigkeit, Gereiztheit und aggressives Verhalten zu den möglicherweise vorkommenden Langzeitschäden.

Für eine ganze Reihe von Wirkstoffen ist die Einnahme in Kombination mit Ephedrin nicht zu empfehlen. Ephedrin mit Coffein verstärkt die Nebenwirkungen des Ephedrins, Ephedrin mit Alkohol trübt die Wahrnehmung im Hinblick auf den Alkoholspiegel, in Kombination mit MAO2)-Hemmern kommt es zu einer unkontrollierbaren Verlängerung und Verstärkung der Wirkung und zusammen mit Halluzinogenen besteht die Gefahr eines wirklich schlechten "Bad Trips" - also eines Drogenrausches mit extremen Angstzuständen.

Ephedrin macht abhängig, trotzdem hat jede online-Apotheke Ephedrin-haltige Produkte in 'zig Varianten für diverse Anwendungen im Angebot. Alle Ephedra-Produkte sind apothekenpflichtig, alle Ephedrin-Produkte ohne Zulassung als Arzneimittel sind nicht verkehrsfähig. Auch die Kombination von Ephedrin und Coffein (z.B. für Schlankheitspillen) ist grundsätzlich verschreibungspflichtig. Ephedrin gilt laut Dopingliste des IOC als Dopingpräparat.

1)GHB: γ-Hydroxybutyrat
2)MAO: Monoamin-Oxidase
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