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Anwendungen der PCR

Die Geschlechtsbestimmung mittels PCR

Was eine Frau, was ein Mann ist, scheint im Alltag ganz einfach zu sein, vor allem dann, wenn die genetische Ausstattung mit den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen und dem geschlechtsspezifischen Verhalten für den Betrachter übereinstimmt. Aber die Grenzen zwischen Mann und Frau sind bei weitem nicht so klar definiert wie früher angenommen. Nicht nur die Gen-Ausstattung, sondern auch die Hormon-Produktion und das Vorhandensein oder Fehlen von entsprechenden Hormon-Rezeptoren prägen das Geschlecht eines Menschen. Viele Menschen lassen sich nicht eindeutig zuordnen und werden als intersexuell bezeichnet. Die Schätzungen zur Häufigkeit der Intersexualität reichen je nach Definition - ob z.B. schon das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts oder erst Maßnahmen zur Geschlechtsumwandlung berücksichtigt werden - von ca. 1:100 bis 1:1000 (Intersex Society of North America).

Mit Hilfe der PCR1) kann das Geschlecht eines Menschen zumindest genetisch bestimmt werden, mit der Einschränkung, dass in seltenen Fällen Menschen auch Gewebe mit unterschiedlicher Geschlechtschromosomen-Ausstattung haben können (Mosaikmuster).

Relevant ist das u.a. im Profi-Sportbereich, in dem häufig die Frage aufkommt, ob ein Sportler tatsächlich vom angegebenen Geschlecht ist. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin 2009 und Daegu/Südkorea 2011 gab es wiederholt Diskussionen, ob es sich bei der 800-m-Läuferin Caster Semenya wirklich um eine Frau handelt, da diese trotz weiblichen Phänotyps einen XY-Genotyp aufwies. Aufgrund ihrer Intersexualität wurde bereits zahlreichen Frauen eine Medaille aberkannt oder die Teilnahme an Wettkämpfen verweigert. XX-Männer und XY-Frauen kommen mit einer Häufigkeit von etwa 1:20.000 vor.

Turner-, Klinefelter- und Triple-X-Syndrom

Wild- oder Haustiere werden oft mittels PCR analysiert, um das Geschlecht des Tieres zu Züchtungszwecken eindeutig zu bestimmten. Bei so genannten monomorphen Vögeln wie Störchen, vielen Tauben-, Sittich- und Papageien-Arten lässt sich optisch überhaupt nicht unterscheiden, ob das betreffende Tier ein Weibchen oder ein Männchen ist. Früher musste in diesen Fällen eine Endoskopie durchgeführt werden, d.h. man untersuchte mit einer Sonde die im Bauchraum der Tiere liegenden Geschlechtsorgane - ein für das Tier sicher belastender Eingriff.

Heute wird eine Feder (genauer gesagt, der Federkiel) des betreffenden Tieres verwendet, um diese Frage in einer PCR mit Geschlechtschromosom-spezifischen Primern zu klären. Intersexualität ist auch bei Haustieren ein häufig vorkommendes Phänomen, besonders oft betroffen sind Rinder, Ziegen, Hunde und Schweine.

1)PCR: polymerase chain reaction
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