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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Akutkomplikationen bei Diabetes

Die Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Bei Diabetikern können innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen Komplikationen auftreten, die mit der Erkrankung in einem engen Zusammenhang stehen. Eine typische Akutkomplikation ist die Unterzuckerung, wenn der Glucose-Spiegel im Blut durch zu viel Sport, eine zu geringe Nahrungsaufnahme, durch eine falsche medikamentöse Behandlung mit zu viel Insulin oder zu viel Blutzucker-senkenden Medikamenten extrem stark absinkt.

Die Konzentration an Glucose im Blut, ab dem die typischen Hypoglykämie-Symptome auftreten, ist individuell verschieden. Ab einem Blutzuckerwert von unter 60 mg/dL (3,3 mmol/L) tritt aber bei den meisten Menschen eine Unterzuckerung auf.

Die charakteristischen Symptome einer Unterzuckerung sind einerseits durch den niedrigen Glucose-Spiegel bedingt, der besonders die Funktion des Gehirns beeinträchtigt (das auf eine gleichmäßige Versorgung mit Glucose angewiesen ist) - dazu zählen Kopfschmerzen, Müdigkeit, Sehstörungen, Verwirrtheit, Konzentrationsschwäche und Bewusstlosigkeit. Andere Symptome, die so genannten adrenergen Symptome, werden durch die Ausschüttung von Adrenalin bei einer schnell auftretenden Unterzuckerung verursacht - Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe, Zittern, Angst und Hungergefühle. Die Behandlung dieser Akutkomplikation ist einfach, die Zufuhr von Glucose in Form von Traubenzucker-Tabletten oder eine Glucagon-Notfallspritze heben den Blutzuckerspiegel schnell wieder an. In schweren Fällen ist der Notarzt zu rufen, der hochkonzentrierte Glucose direkt in die Vene spritzt.

Das diabetische Koma

Das diabetische Koma ist eine gefährliche Komplikation, die sich aus einer Stoffwechselentgleisung bei Diabetikern ergibt. In dieser Situation steigt die Glucose-Konzentration im Blut auf > 1000 mg/dL (56,0 mmol/L) an (normaler Nüchtern-Blutzucker: > 90 mg/dL = 5,3 mmol/L). Die Ursache für diesen Anstieg sind in der Regel entweder eine falsche Insulin-Dosierung oder ein Ernährungsfehler wie die Aufnahme von zu vielen Kohlenhydraten.

Die Ketoazidose

Zu den Akutkomplikationen zählt auch die Ketoazidose, die durch Infektionen oder eine Unterbrechung der Insulin-Zufuhr verursacht wird. Besonders Typ-1-Diabetiker, bei denen kein Insulin mehr synthetisiert werden kann, sind von dieser Stoffwechselentgleisung betroffen. Im gesunden Organismus werden beim Fasten Fettreserven abgebaut (β-Oxidation der Fettsäuren). Dabei entstehenden Ketonkörper (Acetyl-CoA u.a.), die mit Oxalacetat verbunden und in Glucose überführt werden (Gluconeogenese). Bei Diabetikern, denen das Insulin fehlt, um Glucose in die Zellen aufzunehmen, wird mehr und mehr Fett abgebaut - und diese Ketonkörper akkumulieren, so dass der Säure-Base-Haushalt ins Ungleichgewicht gerät. Der Organismus verliert mehr und mehr Wasser und Salze. Eine Ketoazidose ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und wird üblicherweise stationär mit Flüssigkeitszufuhr, Elektrolyten und der Zufuhr von schnell wirksamen Insulin-Präparaten behandelt.

Ketonkörper lassen sich im Enzymtest nachweisen.

Das hyperosmolare Dehydratationssyndrom

Diese Akutkomplikation ähnelt im Hinblick auf die Symptome der Ketoazidose - auch hier sind Durst, Schwindel, und Schwächegefühle bis hin zum Koma (hyperosmolares Koma) und ein schneller Puls zu beobachten, und auch diese Akutkomplikation muss im Krankenhaus behandelt werden. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht Ketone im Blut, sondern ein extrem erhöhter Glucose-Spiegel und eine mangelhafte Wasserversorgung des Organismus insgesamt, die durch den hohen Glucose-Gehalt des Blutes noch verstärkt wird (da die Ausscheidung von Glucose mit dem Urin viel Wasser erfordert).

Das hyperosmolare Syndrom, von dem vor allem ältere Diabetiker vom Typ 2 betroffen sind, tritt nicht spontan auf, sondern entwickelt sich innerhalb von Tagen oder Wochen. Über einen längeren Zeitraum wird zu wenig Wasser aufgenommen, wenn ältere Menschen generell nicht genug trinken oder durch z.B. Durchfallerkrankungen oder Erbrechen zusätzlich Flüssigkeit verlieren. Hinzu kommt, dass im Alter die Nieren oft weniger effektiv arbeiten und nicht genug Glucose über den Urin ausgeschieden wird. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass sich der Glucose-Spiegel und die Konzentration der osmotisch wirksamen Bestandteile im Blut stark erhöht - die Glucose-Konzentration liegt bei einem hyperosmolaren Syndrom typischerweise über 600 mg/dL und kann sogar auf 1000 mg/dL (56,0 mmol/L) ansteigen. Entsprechend steigt auch die Osmolarität der Gehirnflüssigkeit (Liquor) an, da unter diesen Bedingungen immer mehr Natrium-Ionen aus den Gehirnzellen in den Liquor abgegeben werden. In den Gehirnzellen wird das nun fehlende Natrium durch Kalium-Ionen ersetzt, was aber zu Krämpfen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma führen kann.

Etwa 5-15 % der Patienten mit hyperosmolare Syndrom sterben an dieser Erkrankung, die oft mit einer insgesamt schlechten körperlichen Verfassung des Patienten einher geht. Gefährdet sind vor allem allein lebende ältere Diabetiker, die sich selbst nicht mehr angemessen versorgen und ernähren können. Im Fall eines hyperosmolaren Komas liegt die Sterblichkeit sogar bei 20-30 %. Therapiert wird mit Infusionen von physiologischer Kochsalzlösung, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen (das Flüssigkeitsdefizit beträgt durchschnittlich 8-12 Litern), und intravenösen Insulin-Gaben, um den Glucose-Spiegel zu senken.

Weitere Informationen zur Osmose finden Sie in der Lerneinheit Diffusion/Osmose.

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