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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Schwangerschaftsdiabetes

Definition
Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes ist eine erstmalig während einer Schwangerschaft auftretende Glucose-Stoffwechselstörung, die sich in den meisten Fällen nach der Geburt wieder legt.
Abb.1
Auch eine Schwangerschaft kann Diabetes auslösen

Der Anteil der Diabetikerinnen unter den Schwangeren liegt rechnerisch bei nur etwa 0,8 %, in Wirklichkeit entwickeln aber drei bis fünf Prozent aller Schwangeren im Laufe der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes. Studien zufolge begünstigen ein höheres Alter und eine hoher Body-Mass-Index diese Erkrankung, die in den meisten Fällen nach der Geburt wieder verschwindet.

Bei allen Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelten, ist lebenslang das Risiko für Diabetes vor allem bei weiteren Schwangerschaften erhöht. Auch die Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Diabetes bekamen, haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Störung des Glucose-Stoffwechsels oder Übergewicht zu entwickeln.

Risiken für den Fetus

Die Ursachen für das erhöhte Diabetesrisiko von Kindern aus Schwangerschaften mit Gestationsdiabetes sind mittlerweile geklärt. Die Insulin-Produktion des ungeborenen Kindes wird in dieser Zeit eingestellt und passt sich den (diabetesbedingt) erhöhten Glucose- und Aminosäure-Spiegeln im Bauch der diabetischen Mutter an - ein Prozess, der als "fetale Programmierung" (engl. metabolic programming) bezeichnet wird. Um diesen Kreislauf von Müttern und Kindern mit jeweils erhöhtem Risiko für Diabetes zu durchbrechen, ist die Bestimmung des Blutzuckers bei Schwangeren in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ein wichtiger Test. Üblicherweise wird zur Diagnose in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glucose-Toleranz-Test (oGTT) durchgeführt, der genauere Werte als eine Urinuntersuchung liefert.

Erhöhte Glucose-Werte steigern das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft. Bei den Müttern führt der Diabetes zu Bluthochdruck, häufiger auftretenden Harnwegsinfekten und zu Präeklampsie bzw. sogar Eklamsie. Häufiger als gesunde Mütter entbinden diese Frauen durch Kaiserschnitt, da die Kinder extrem groß sind. Wenn der Schwangerschaftsdiabetes nicht behandelt wird, besteht ein höheres Risiko, dass der Fetus im Mutterleib stirbt, Fehlbildungen an Herz, Rückenmark oder Wirbelsäule auftreten, oder dass die Kinder zu früh geboren werden. Nach der Geburt tritt bei den Kindern häufig eine Unterzuckerung oder das Atemnotsyndrom auf.

Oraler Glucose-Toleranz-Tests

Ursachen und Behandlung der Schwangerschaftsdiabetes

Die während der Schwangerschaft verstärkt produzierten Hormone wie Estrogen, Progesteron, HCG1), Cortisol und Prolactin blockieren die Wirkung von Insulin. Normalerweise produzieren Schwangere genug Insulin, um diesem Effekt der Schwangerschaftshormone entgegen zu wirken und den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Mitunter reicht aber die Insulin-Produktion in der zweiten Schwangerschaftshälfte nicht mehr aus, um den Mehrbedarf abzudecken.

Grundsätzlich gilt auch bei Schwangerschaftsdiabetes, dass Bewegung einer Erkrankung vorbeugt. Frauen, die im Jahr vor der Schwangerschaft sportlich sehr aktiv waren, haben ein 80 % geringeres Risiko, zu erkranken. Bei vielen Schwangeren reicht eine Ernährungsumstellung aus, um die Blutzuckerwerte im Normbereich zu halten. Ist das nicht der Fall, muss auf eine Insulin-Therapie zurückgegriffen werden, da orale Antidiabetika das ungeborene Kind schädigen könnten.

Tabelle: Hormone des Menschen

1)HCG: humanes Choriongonadotropin
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