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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Das metabolische Syndrom

Definition
Der Begriff "metabolisches Syndrom" (auch "tödliches Quartett" genannt) wurde 1964 von Mehnert vorgeschlagen für einen Komplex von Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Diabetes mellitus auftreten. Zu diesem Komplex zählen neben dem Diabetes und seinen Vorstufen wie einer gestörten Glucose-Toleranz oder einer Insulin-Resistenz auch der arterielle Bluthochdruck (Hypertonie) und die atherogene Dyslipidämie.
Abb.1
Fettes Essen und hoher Alkoholkonsum fördern ein metabolisches Syndrom

Allen diesen Faktoren, die zu einem metabolischen Syndrom zählen, ist gemeinsam, dass sie zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und Herzkrankheiten führen. Zu den Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Arteriosklerose fördern - und die sich gegenseitig potenzieren, zählen

  • hohe Cholesterol-Spiegel
  • Zigarettenrauchen
  • Fettsucht (Adipositas)
  • Fett, vor allem im Bauchbereich (das so genannte viszerales Fett)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines metabolischen Syndroms scheint dabei der Insulin-Rezeptor zu spielen, und auch die Signalvermittlung von Insulin über diesen Rezeptor auf der jeweiligen Zielzelle. Genetische Ursachen wie eine verringerte Signalübertragung an diesem Rezeptor spielen ebenso eine Rolle wie die Aktivität der Tyrosinkinase, der Glycogen-Synthetase des Skelettmuskels und verschiedener Transportproteine, die für die Aufnahme von Glucose verantwortlich sind.

Für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms ist allerdings vor allem die erworbene Fettsucht (Adipositas) von Bedeutung, die eine Resistenz des Insulin-Rezeptors fördert - d.h. dass zwar bei den betroffenen Personen noch genügend Insulin synthetisiert wird, das Insulin aber von den Zielzellen nicht mehr als Signal erkannt wird, Glucose aus dem Blut in die Zellen aufzunehmen. Als Folge wird immer mehr Insulin immer später ausgeschüttet, so dass nach einer Mahlzeit der Glucose-Spiegel stark erhöht ist (postprandiale Hyperglykämie). Diese erhöhten Glucose-Spiegel wirken zum einen direkt schädigend auf die Gefäße und führen zu einer verstärkten Glycosylierung von vor allem den Bindegewebsproteine der Gefäßwände.

Diagnosekriterien nach NCEP ATP II

Diagnosekriterien nach WHO

Die Definition des metabolischen Syndroms ist in den Anfangsstadien sehr schwierig, da eine gesteigerte Insulin-Resistenz in den frühen Stadien des metabolischen Syndroms ebenso symptomarm verläuft wie eine gestörte Glucose-Toleranz. Schätzungen gehen davon aus, dass vermutlich etwa 40 % der Bevölkerung in Deutschland Anfänge eines metabolisches Syndroms aufweisen - im Gegensatz zu den 20-25 %, die sich aus den Prävalenzdaten ergeben. Das metabolische Syndrom ist altersabhängig, in der Altersgruppe der über Sechzigjährigen sind etwa 50 % betroffen.

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