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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Folgeerkrankungen bei Diabetikern

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Nummer eins der Todesursachen in den Industrieländern. Bei Menschen mit Diabetes mellitus ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2-4fach höher als bei Menschen ohne Diabetes, und das Risiko für Schlaganfälle ist doppelt so hoch. Durch Diabetes wird die Lebenserwartung um ein Drittel gesenkt.

Ein zu hoher Glucose-Spiegel schädigt langfristig alle Blutgefäße des Körpers bzw. beeinträchtigt die Reparatur beschädigter Gefäße erheblich. Etwa 10 Jahre nach Ausbruch der Erkrankung kommt es zu zahlreichen Folgeschäden durch diese mangelnde Durchblutung, besonders an Augen, Nieren und den Extremitäten. In Deutschland sind jährlich fast 25.000 Amputationen diabetesbedingt erforderlich. Auch die Veränderungen im Fettstoffwechsel wirken sich langfristig negativ auf die Gesundheit aus. Typische Folgeerkrankungen von Diabetes sind:

  • Mikroangiopathien, also Schäden an den kleinen Blutgefäßen aufgrund von Durchblutungsstörungen. Diese betreffen vor allem Augen und Netzhaut (diabetische Retinopathie bei Schäden am Augenhintergrund), die Nieren (Nierenfunktionsstörungen durch diabetische Nephropathie) und die peripheren Nerven (diabetische Neuropathie z.B. beim diabetischen Fußsyndrom).
  • Makroangiopathie bzw. arterielle Verschlusskrankheiten (pAVK1)), also Schädigungen der großen Blutgefäße aufgrund von Ablagerungen und Verkalkung. Herzinfarkt, Schlaganfälle und die so genannte Schaufenster-Krankheit gehen auf diese Folgeerkrankung zurück.
  • Fettstoffwechsel-Störungen, da bei einem Diabetes verstärkt körpereigenes Fett abgebaut (Lipolyse) und Triglyceride in den Leberzellen neu synthetisiert werden (Lipogenese) - oft mit dem Resultat einer Fettleber.
  • Entzündliche Munderkrankungen wie Zahnfleischabszesse und -entzündungen (Parodontitis oder Gingivitis), die durch den hohen Blutglucosespiegel und die Durchblutungsstörungen verursacht werden.

Warum ist ein hoher Glucose-Spiegel im Blut schädlich?

Die freien Amino-Gruppen der Aminosäuren in Eiweißen können mit Zuckern reagieren. Diese Reaktion, die zur knusprig braunen Brotkruste oder dem typischen Geschmack eines Rinderbratens führt, verläuft auch im Organismus an körpereigenen Proteinen und resultiert hier in den so genannten AGEs2), die das Gewebe schädigen können. Bei Diabetikern sind vermutlich die Nierenschäden zum Teil auf die AGEs zurückzuführen.

Proteine im Organismus werden aber auch gezielt durch das Anhängen bestimmter Reste an einzelne Aminosäuren modifiziert. Diese posttranslationale Modifikation dient zahlreichen Funktionen, kann beispielsweise die Aktivität eines Enzyms beeinflussen oder die Stabilität eines Stukturproteins steigern. Bei einem hohen Glucose-Gehalt des Blutes nimmt vor allem die Glycosylierung von Blutbestandteilen und Gefäßwandstrukturen zu. Dieses lässt sich auch diagnostisch nutzen, der HbA1c ist ein Wert, der die Konzentration des an Hämoglobin gebundenen Zuckers im Blut angibt und damit als Maß für die durchschnittliche Glucose-Konzentration im Blut über die letzten drei Monate dient.

Weitere Informationen zu AGEs und Röstprodukten finden Sie in der Lerneinheit Antioxidatives Schutzsystem. Hier finden Sie weiterführende Informationen über die Posttranslationale Modifikation von Aminosäuren.

1)pAVK: periphere arterielle Verschlusskrankheit
2)AGEs: Advanced Glycation Endproducts
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