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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Autoantikörper als diagnostische Marker für einen Diabetes Typ 1

Hinweis
Autoantikörper sind Antikörper, die gegen körpereigene Strukturen gerichtet sind. Bei einer Entzündung der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Insulitis) treten eine Reihe von Antikörpern auf, anhand derer ein Diabetes Typ 1 diagnostiziert werden kann.
Abb.1

Y-Struktur eines Antikörpers. Die langen Ketten der beiden Arme sind in braun bzw. hellgrau dargestellt, die kurzen Ketten in grün und blau. PDB-Code: 1IGT.

Der Nachweis von Diabetes-spezifischen Antikörpern im Blutserum gilt als Indiz für einen Diabetes Typ 1. Noch bevor sich diese Erkrankung klinisch sichtbar wird, gibt dieser Test wichtige Hinweise auf das Risiko eines noch gesunden Menschen, an Diabetes Typ 1 zu erkranken. Auch bei Kindern bzw. Geschwistern von Typ-1-Diabetikern wird mit einer Antikörper-Bestimmungen überprüft, wie hoch das Risiko einer Diabetes-Erkrankung ist. Weiterhin kann ein erst im Erwachsenenalter auftretender Diabetes Typ 1 (LADA1)) auf der Basis der Antikörper von einem klinisch sehr ähnlichen Diabetes Typ 2 unterschieden und entsprechend behandelt werden - diese beiden Erkrankungen haben unterschiedliche Ursachen und erfordern dementsprechend auch andere Therapien.

Die Testergebnisse sind allerdings auch immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Selbst wenn bei einem gesunden Menschen Diabetes-typische Antikörper nachgewiesen werden können, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Person an Diabetes erkranken wird - der positive Befund zeigt lediglich ein erhöhtes Risiko an. In seltenen Fällen kommt es auch vor, dass bei einem Typ-1-Diabetiker keine oder nur geringe Konzentrationen an Autoantikörpern nachzuweisen sind.

  • Inselzellantikörper (ICA): ICAs sind Antikörper gegen bestimmte Antigene auf den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse und werden halbquantitativ im Immunfluoreszenz-Test nachgewiesen. Der Test erfasst eine ganze Reihe verschiedener Antigene, u.a. auch GADA2) und IA-2A. ICAs lassen sich in den meisten Fällen schon vor dem Auftreten einer Diabetes nachweisen und gelten als Marker für die so genannte prä-diabetische Phase. Das Testergebnis wird in Juvenile Diabetes Foundation-Units (JDF-U) angegeben. Die Werte für gesunde Menschen liegt bei < 2 JDF-U.
  • Glutamat-Decarboxylase-Antikörper (GADA): Die Glutamat-Decarboxylase ist ein Enzym, das die Synthese von γ-Aminobutyrat (GABA) aus Glutamat katalysiert und u.a. in Inselzellen vorkommt. Oft sind bereits Jahre vor dem Beginn eines Typ-1-Diabetes Antikörper gegen die 65-kD-Isoform (GAD65) der Glutamat-Decarboxylase im Serum nachweisbar. Die GADA werden im Radioimmunoassay (RIA) detektiert.

Die Glutamat-Decarboxylasen des Menschen

  • Tyrosin-Phosphatase-Antikörper (IA-2A): Auch dieses Enzym kommt in den Inselzellen er Bauchspeicheldrüse vor und wird bei einer Zerstörung der Zellen freigesetzt. Der Nachweis erfolgt im RIA.
  • Insulin-Autoantikörper (IA-A): Diese Antikörper sind gegen Insulin selbst gerichtet und damit als einzige Antikörper spezifisch für β-Zellen. Bei Kindern mit erhöhtem Risiko, an Diabetes Typ 1 zu erkranken, sind diese Autoantikörper als erstes nachzuweisen. Der Nachweis erfolgt im RIA.

Weiterführende Informationen zum Nachweisverfahren finden Sie auf der Seite RIA (Radioimmunassay).

1)LADA: Latent Autoimmune Diabetes in Adults
2)GADA: Glutamat-Decarboxylase-Antikörper
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