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Diabetes - Ursachen und Behandlung

Orale Antidiabetika: Biguanid-Derivate

Hinweis
Biguanid-Derivate wie Metformin sind orale Antidiabetika, die den Blutglucosespiegel senken können.

Biguanid-Derivate

Abb.1
Metformin

Biguanid-Derivate wie das Metformin sind schon lange bekannte Medikamente zur Therapie von Diabetes Typ 2, sofern der Patient noch eine eigene Insulin-Produktion hat. Metformin (Handelsnamen u.a. Diabesin®, Mediabet®, Metfogamma®) hemmt die Neusynthese von Glucose in der Leber (Gluconeogenese), steigert die Glucose-Verwertung von Muskeln und Fettgewebe und verzögert die Aufnahme von Glucose aus dem Darm ins Blut. Metformin wirkt sich zudem positiv auf die Blutfettwerte, indem es das LDL und die Triglyceride senkt und das HDL erhöht.

Ein weiterer positiver Effekt dieses Wirkstoffs ist, dass Metformin die Aggregation von Thrombocyten verringert, was für Patienten mit koronaren Herzerkrankungen vorteilhaft ist. Aufgrund der Appetit-hemmenden Nebenwirkungen dieses Medikaments wird langfristig bei einer Metformin-Therapie auch das Gewicht reduziert. Für übergewichtige Diabetiker und für Diabetiker mit metabolischem Syndrom ist Metformin daher besonders gut geeignet. Metformin kann auch in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika oder mit Insulin angewendet werden.

Wirkmechanismus von Metformin

Metformin wirkt an verschiedenen Stellen im Organismus. Dieser lipophile Wirkstoff lagert sich in die Membran der Darmepithelzellen an und behindert die Aufnahme von Glucose aus dem Darm. Metformin lagert sich auch an die Mitochondrien-Membran der Leberzellen an und hemmt dort den Transport von Pyruvat in die Mitochondrien. Pyruvat steht für die Atmungskette und die Gluconeogenese nicht in ausreichender Menge zur Verfügung; die Atmungskette bricht an dieser Stelle ab. Da einerseits Pyruvat akkumuliert und die Atmung beeinträchtigt ist, nimmt der anaerober Glucose-Abbau und damit die Produktion von Milchsäure (Lactat) zu. Während die Leber unter diesen Bedingungen weniger Glucose freisetzt, steigt die Aufnahme von Glucose im peripheren Gewebe an.

Weiterführende Informationen zur Atmung finden Sie in der Lerneinheit Der Citrat-Cyclus.

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Nebenwirkungen

Bei der Anlagerung von Biguaniden an zelluläre Membranen werden diese Membranen geschädigt, das Blutbild kann sich verändern, eine Alkoholintoleranz, Leber- und Nierenschäden oder Entzündungen der Bauchspeicheldrüse sind die Folge. Aufgrund der vielfältigen Nebenwirkungen darf Metformin von Patienten mit Nierenschwäche, Lebererkrankungen, schwerer Herzinsuffizienz bzw. Lungeninsuffizienz oder bei Alkoholmissbrauch nicht eingenommen werden. Auch in der Schwangerschaft und der Stillzeit ist Metformin nicht zu empfehlen. Zu den häufig1) berichteten Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Durchfall oder ein metallischer Geschmack im Mund.

Eine seltene2), aber schwere Nebenwirkung von Metformin ist die so genannte Laktazidose, eine Übersäuerung des Blutes durch Lactat, an der etwa die Hälfte der von dieser Komplikation Betroffenen innerhalb kurzer Zeit stirbt. Die Symptome der Laktazidose ähneln zunächst den üblichen Nebenwirkungen von Metformin, hinzu kommen Müdigkeit und Schwäche bis hin zum Koma. Typisch ist eine schnelle und tiefe Atmung der Patienten, die so genannte Kussmaul-Atmung.

Eine Laktazidose tritt immer im Zusammenhang mit weiteren Vorerkrankungen auf. Bei einer Metformin-Therapie sind daher unbedingt die Gegenanzeigen zu beachten. Auch im Zusammenhang mit Operationen, nach einer strengen Abmagerungskur und bei einem hohem Alter der Patienten sollten Biguanid-Derivate nicht eingesetzt werden.

1)ca. 20 % der Patienten
2)6,3 Fälle auf 100.000 Patientenjahre
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