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Zelluläre Testsysteme

Schleimhautverträglichkeit

Seit 1944 wird die Schleimhautverträglichkeit von Kosmetika und Haushaltsprodukten routinemäßig an Kaninchenaugen durchgeführt (Draize-Test). Den Tieren, vorzugsweise weißen Neuseeland-Kaninchen mit sehr großen Augen, wird die Testsubstanz in ein Auge getropft, während das nicht behandelte Auge als Kontrolle dient. Je nach Aggressivität der Testsubstanz sind Augenreizungen, Entzündungen oder sogar Verätzungen am Auge das Resultat. Nach üblicherweise ein bis drei Tagen (maximal drei Wochen später) wird evaluiert, ob beispielsweise das Augenlid, die Bindehaut, Iris oder Hornhaut beschädigt wurde.

Kaninchen sind nur bedingt als Testorganismus für Vergleiche mit dem Menschen geeignet. Zudem weist dieser Test generell nur eine geringe Reproduzierbarkeit auf, denn die Ergebnisse schwanken von Labor zu Labor erheblich. Trotzdem wird dieser für die Tiere äußerst unangenehme Test auch in Deutschland noch immer und zumeist auch ohne Betäubung der Tiere durchgeführt. Nach Beendigung des Experimentes werden die Tiere in der Regel getötet.

In den letzten 20 Jahren wurden daher erhebliche Anstrengungen unternommen, eine valide Alternative für den Draize-Test zu entwickeln. Das Problem dabei war oft, dass sich die Ergebnisse aus in vitro-Tests kaum auf das subjektive und sehr variable Empfinden am menschlichen Auge übertragen lässt. Ein möglicher in vitro-Test zur Identifizierung von Augenirritationen ist der ICE-Test (isolated chicken eye test) oder der BCOP-Test (bovine corneal opacity and permeability test), der an Geflügel- bzw. Rindergewebe aus Schlachtabfällen durchgeführt wird. Mit diesem Test lassen sich Substanzen, die Augenschäden verursachen, einigermaßen sicher identifizieren - im Falle von negativen Ergebnissen muss allerdings noch immer im Tiermodell nachgetestet werden, ob diese Substanz wirklich ungefährlich ist.

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